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Die Wiege des Tourismus

Das Welterbe Oberes Mittelrheintal ist die Wiege des modernen Tourismus in Deutschland. Die Loreley gehört zu den national und international bekanntesten Tourismusattraktionen Deutschlands.

Campingplatz Loreleyblick in St. Goar. (Foto: Piel)
Campingplatz Loreleyblick in St. Goar. (Foto: Piel)

Mehr als 40 Burgen, historische Altstädte, Schifffahrten, die einmalige Fluss-, Wein-, Natur- und Kulturlandschaft sowie hochkarätige Rad- und Wanderrouten belegen das enorme touristische Angebotspotenzial. Neben den deutschen Küsten und Alpen gehört das Mittelrheintal seit Mitte des ausgehenden 18. Jahrhunderts zu den ersten Destinationen des aufkommenden modernen Tourismus in Deutschland. Zunächst wurde das Mittelrheintal für junge Adlige aus England und Deutschland auf ihrer sogenannten Grand Tour in Richtung Italien zu einem beliebten Reiseziel. Im Zuge der aufkommenden deutschen Romantik entstand in Kombination mit der Aufnahme des Dampfschiff-Linienverkehrs durch die Köln-Düsseldorfer im Jahr 1827 und den Bau der Eisenbahn ab Mitte des 19. Jahrhunderts ein sich rasant entwickelnder Tourismus am Mittelrhein.

Modellstadt St. Goar – Blick auf die Rheinpromenade. (Foto: Piel)
Modellstadt St. Goar – Blick auf die Rheinpromenade. (Foto: Piel)

Die Zahl der Touristen am Mittelrhein aus dem In- und Ausland nahm seit den 1970er und 1980er Jahren merklich ab und hat sich bis heute nicht wirklich erholt.

Das Obere Mittelrheintal wurde in Deutschland und Teilen Europas zu einem Trendziel. Dies verhalf der Region zu einer wirtschaftlichen Blüte, die bis weit ins 20. Jahrhundert anhielt.

Wachsende Konkurrenz bei gleichzeitig veralteten Betrieben, der zunehmende Bahnverkehr und wenig Angebotsinnovationen waren die Hauptgründe für den schleichenden Niedergang. All dies führt zu einem bis heute noch nicht bewältigten touristischen Strukturwandel. Trotzdem kann aktuell im Kerngebiet des Welterbes von knapp drei Millionen Übernachtungen in gewerblichen Betrieben ab zehn Betten ausgegangen werden. Niederländer und Briten stellen mit Abstand die meisten internationalen Gäste dar. Übernachtungsstärkste Orte sind mit rund 664.000 Übernachtungen die Stadt Koblenz und die Stadt Boppard mit 346.000 auf rheinland-pfälzischer Seite sowie die Stadt Rüdesheim mit über 380.000 Übernachtungen auf hessischer Seite. Nicht enthalten ist die Nachfrage in privaten Quartieren sowie die seit Jahren stark zunehmenden Flusskreuzfahrer aus dem In- und Ausland mit aktuell 110.000 Hotelschiffgästen. Gleiches gilt für die vielen Stop-over-Gäste aus Amerika und Asien, die über den Frankfurter Flughafen oftmals ihre Deutschland- beziehungsweise Europareisen im Mittelrheintal beginnen oder beenden.

Betriebsaufgaben aufgrund fehlender Umsätze oder Nachfolge prägen die gastronomische  Landschaft – Beispiel Assmannshausen. (Foto: Piel)
Betriebsaufgaben aufgrund fehlender Umsätze oder Nachfolge prägen die gastronomische Landschaft – Beispiel Assmannshausen. (Foto: Piel)

Einer aktuellen Studie der Romantischer Rhein Tourismus GmbH (2014) zufolge liegt der Schwerpunkt der Nachfrage am Mittelrhein im Tagestourismus: Mehr als 88 Prozent der touristischen Aufenthaltstage entfallen auf Tagesbesucher. Entsprechend ihrer Bedeutung und ihren niedrigen Ausgaben pro Kopf liegt der Durchschnittswert bei nur 37 Euro pro Gast und Tag. Insgesamt schwanken die Tagespersonenausgaben stark von 29,50 Euro bei Tagesgästen über 62 Euro bei Übernachtungsgästen in privaten Quartieren bis hin zu 115 Euro in gewerblichen Betrieben (in Hotels zwischen 70 Euro bis 250 Euro pro Tag und Gast). So liegt der Schlüssel für mehr Wertschöpfung bei der touristischen Entwicklung beim Über-nachtungstourismus, den es auszubauen gilt.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass auch im Welterbe Oberes Mittelrheintal der Tourismus ein Multimillionengeschäft und ein zentraler Wirtschaftsfaktor ist.

Den seit Jahrzehnten andauernden Strukturwandel dokumentieren zahlreiche Betriebsaufgaben und viele Betriebe mit Investitionsstau. Nach einer aktuellen Studie der IHK Koblenz (2017) ist zu erwarten, dass in der nächsten Dekade mehr als ein Fünftel der bestehenden Beherbergungsbetriebe aus Altersgründen und wegen fehlender Nachfolger schließen werden. Entsprechend liegt der Schlüssel einer erfolgreichen Destinationsentwicklung im Oberen Mittelrheintal bei den Betrieben. Sie benötigen eine hohe Rentabilität, um ihre Herausforderungen bei Nachfolge, Fachkräftesicherung, Innovation und Digitalisierung selbst lösen zu können. Voraussetzung hierfür ist eine funktionierende und attraktive Destination Oberes Mittelrheintal.

Radfahren entlang des Rheins, umgeben von einer imposanten Welterbe-Kulisse – aber mancherorts auch zwischen Bahngleis und Bundesstraße. (Foto: Piel)
Radfahren entlang des Rheins, umgeben von einer imposanten Welterbe-Kulisse – aber mancherorts auch zwischen Bahngleis und Bundesstraße. (Foto: Piel)

Anderenfalls drohen die in den letzten Jahren bereits intensivierten Anstrengungen zur Reattraktivierung des Oberen Mittelrheins als touristische Destination zu verpuffen, die durchaus erste Erfolge gezeigt haben. Gute Beispiele dafür sind besonders die beiden neuen Fernwanderwege Rheinsteig (rechtsrheinisch) und RheinBurgenWeg (linksrheinisch), die sich wachsender Nachfrage bei Touristen erfreuen. Gleiches gilt für die wachsende Zahl attraktiver Events neben den all jährlich zahlreichen traditionellen Weinfesten, zum Beispiel Rhein in Flammen, Rhein-Leuchten, Tal Total (autofreier Sonntag), Mittelrhein-Marathon.

Ein seit Jahrzehnten erfolgreiches Event: Rhein in Flammen in Koblenz. (Foto: Thomas Frey)
Ein seit Jahrzehnten erfolgreiches Event: Rhein in Flammen in Koblenz. (Foto: Thomas Frey)

Insgesamt fehlt es aber noch an innovativen und neuen touristischen Highlight- Angeboten, die durch ihre besondere Anziehungskraft die Gästezahlen aus dem In- und Ausland deutlich erhöhen können. Die BUGA 2011 in Koblenz hat gezeigt, dass neue Angebote zu einer signifikanten und nachhaltigen Tourismusentwicklung führen können. Die touristische Nachfrage wächst dort im Tages- und Übernachtungstourismus seit Jahren und führt zu Investitionen in bestehende und neue Betriebe.

  • In unserer Serie beleuchten wir auf Basis der Machbarkeitsstudie (PDF 2031, Ergänzung 2029) die Möglichkeiten und Auswirkungen der Bundesgartenschau 2029 im Oberen Mittelrheintal. Bisher erschienen:
  1. Familie Schmidt besucht die BUGA
  2. Impulse für das Obere Mittelrheintal
  3. So war es bei der Landesgartenschau 2008 in Bingen
  4. So war es bei der Bundesgartenschau 2011 in Koblenz
  5. So war es bei der Bundesgartenschau 2015 in der Havelregion
  6. Eine dezentrale BUGA – geht das?
  7. Besonderheiten und Potenziale
  8. Landschaft: Wasser, Wald, Fels und Wein
  9. Die Wiege des Tourismus
  10. Infrastruktur: Fluch und Segen zugleich
  11. Orts- und Regionalentwicklung
  12. Das Unesco-Welterbe
  13. Organisationsmodell und Planungsprozess
  14. Partizipation
  15. Planungsgrundlagen
  16. Ziel- und Erfolgskriterien
  17. Flächenmeldung und Einordnung
  18. Leitlinien
  19. Verbundräume
  20. Auf dem Rhein
  21. Das ganze Tal bespielen
  22. Konzept für die BUGA 2029
  23. Qualifizierung und Auswahl von Schwerpunktstandorten und -projekten
  24. Standorte im Nördlichen Tal
  25. Standorte im Zentralen Tal
  26. Standorte im Südlichen Tal
  27. Mobilitätskonzept
  28. Veranstaltungskonzept
  29. Touristische Infrastruktur
  30. Weitere Projektideen
  31. Was bleibt?

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