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Tiefere Fahrrinnen: BUGA 2029 bei Vorbereitung mit im Boot

Tiefere Fahrrinnen zwischen der Loreley und Mainz sollen künftig dafür sorgen, dass mehr Güter auf dem Mittelrhein befördert werden können. Die Konsultationsphase des Projekts ist abgeschlossen. Eingeflossen sind Aspekte aus Schifffahrt, Naturschutz und Wasserwirtschaft sowie Interessen der Anlieger, des Welterbes und der BUGA 2029.

Containerschiff auf dem Mittelrhein
Ein mit Containern beladener Schubverband fährt auf dem Mittelrhein zwischen Assmannshausen und einer Buhne auf der linken Rheinseite flussaufwärts. Die Fahrrinne soll zwischen St. Goar und Mainz vertieft werden, damit Schiffe bei Niedrigwasser oder mittleren Wasserständen mehr Ladung transportieren können. Foto: Jöckel

„Abladeoptimierung der Fahrrinnen am Mittelrhein“ ist die offizielle Bezeichnung des Projekts unter der Leitung von Sabine Kramer beim neu strukturierten Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein. Abladung ist Fachsprache: „Wie tief hast du abgeladen?“, fragt man einen Schiffer nach dem Beladungszustand. Je mehr Ladung ein Schiff transportiert, desto tiefer liegt es im Wasser.

Der Rhein ist die bedeutendste Schifffahrtsstraße Deutschlands. Rund 60 Millionen Tonnen Güter werden jährlich auf dem Mittelrhein transportiert. Und es gibt noch Luft nach oben. Denn auf dem rund 50 Kilometer langen Abschnitt zwischen St. Goar und Mainz gibt es sechs Engstellen mit geringerer Fahrrinnentiefe, die derzeit beim Beladen der Schiffe berücksichtigt werden müssen: der Geisenrücken, der Jungferngrund, am Bacharacher Werth, am Lorcher Werth, das Kemptener Fahrwasser und bei Oestrich-Winkel.

Das soll sich im Zuge der „Abladeoptimierung“ ändern: Unterhalb und oberhalb dieses Abschnittes sind die Fahrrinnen 2,10 Meter tief, innerhalb des Projektgebietes nur 1,90 Meter. Das ist auf dem Rhein mit seinen schwankenden Wasserständen nicht das ganze Jahr hindurch ein Problem, aber eben bei Niedrigwasser. Dann können die Schiffe auf ihrem Weg etwa von Rotterdam nach Ludwigshafen weniger Ladung transportieren. Ziel ist deshalb, die Fahrrinnentiefe bei Niedrigwasser von 1,90 Meter auf 2,10 Meter zu erhöhen, was die Verhältnisse bei mittleren Wasserständen zusätzlich verbessert. Das bedeutet, dass ein Schiff dann bis zu 250 Tonnen mehr Ladung transportieren kann.

Wie muss man sich diese Vertiefung der Fahrrinnen vorstellen? Laut Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt bedeutet dies nicht, den Mittelrhein großflächig zu vertiefen. Vielmehr sollen gezielt an bestimmten Stellen der Wasserspiegel durch Bauwerke (beispielsweise Buhnen) gestützt sowie moderate Sohlanpassungen vorgenommen werden. Welche Maßnahmen zielführend sind und welche Auswirkungen sie auf die Umwelt haben, wird derzeit erforscht.

Ein besonders enger und felsiger Abschnitt am Mittelrhein ist der Jungferngrund bei Oberwesel. Um diesen besonders anspruchsvollen 4,4 Kilometer langen Jungferngrund zu erforschen, hat die Bundesanstalt für Wasserbau in Karlsruhe ein detailgetreues Modell im Maßstab 1:60 erstellt. Anhand des mehr als 70 Meter langen physikalischen Modells wird untersucht, wie sich Sand und Steine in dem Abschnitt bewegen. So werden die reinen Computermodelle ergänzt, um eine solide Wissensgrundlage für die Planung der „Abladeoptimierung“ zu schaffen.

Noch steht nicht fest, welche Bauarbeiten für die Vertiefung der Fahrrinnen am Mittelrhein erforderlich sein werden. Es kann auch noch niemand sagen, wann die Bauarbeiten beginnen oder wie lange sie andauern. Die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz war im Zuge der Vorbereitungen für die BUGA 2029 an der Konsultationsphase beteiligt. Die BUGA 2029 GmbH, die im kommenden Jahr in die Durchführungsphase startet, wird auch weiter über die fortlaufenden Planungen des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Rhein informiert, um Bauphasen aufeinander abzustimmen, falls dies erforderlich sein sollte.

Die Dokumentation der Konsultationsphase gibt es hier zum Download.

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