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Analyse des Unesco-Welterbes: Besonderheiten und Potenziale

Eine BUGA ent­lang von 67 Fluss­ki­lo­me­tern mit 59 Part­nern gab es noch nie. Doch sie kann gelin­gen! Weil das Tal trotz sei­ner Dimen­si­on eine Ein­heit bil­det – und eine welt­weit bekann­te Desti­na­ti­on ist.

Die Einmaligkeit des Oberen Mittelrheintals – Schönheit, Sehnsuchtsort und besondere Verantwortung für die Zukunft. (Foto: Piel media)
Die Ein­ma­lig­keit des Obe­ren Mit­tel­rhein­tals – Schön­heit, Sehn­suchts­ort und beson­de­re Ver­ant­wor­tung für die Zukunft. (Foto: Piel media)

Zwi­schen Koblenz im Nor­den und Bin­gen im Süden schlän­gelt sich der Rhein auf 67 Kilo­me­tern Län­ge durch das Rhei­ni­sche Schie­fer­ge­bir­ge. Das frü­he Wir­ken der Men­schen, die Städ­te grün­de­ten, Wein­ber­ge anleg­ten und Bur­gen errich­te­ten, hat dem Obe­ren Mit­tel­rhein­tal eine ein­ma­li­ge, zuwei­len über­höh­te Schön­heit ver­lie­hen. Trotz aller Sün­den der Neu­zeit blieb die­se bis heu­te unge­bro­chen und führ­te dazu, dass die UNESCO das Tal im Jahr 2002 mit dem Sta­tus eines Welt­kul­tur­er­bes aus­zeich­ne­te.

Uferzustand in St. Goarshausen. (Foto: RMP)
Ufer­zu­stand in St. Goar­shau­sen. (Foto: RMP)

Der Fluss und die erha­be­ne Land­schaft mit ihren rund 40 Bur­gen lock­ten schon im spä­ten 18. und frü­hen 19. Jahr­hun­dert Lite­ra­ten und Maler ins Tal, das für sie zur Pro­jek­ti­ons­flä­che roman­ti­scher Vor­stel­lun­gen wur­de. Auf Johann Wolf­gang von Goe­the, Lord Byron und Wil­liam Tur­ner folg­ten die ers­ten Tou­ris­ten. Sie mach­ten das Obe­re Mit­tel­rhein­tal zur Wie­ge des Tou­ris­mus in Deutsch­land. Die­ser Epo­che ver­dankt das Mit­tel­rhein­tal bis heu­te sei­nen inter­na­tio­na­len Bekannt­heits­grad und einen immer noch nen­nens­wer­ten Anteil von Besu­chern aus Asi­en und Ame­ri­ka – die aller­dings immer kür­zer ver­wei­len.

Die BUGA 2031 bietet die Chance, zwingend notwendige Strukturentwicklungen anzuschieben und die seit Jahren stagnierende touristische Nachfrage wieder zu erhöhen. (Foto: Piel media)
Die BUGA 2031 bie­tet die Chan­ce, zwin­gend not­wen­di­ge Struk­tur­ent­wick­lun­gen anzu­schie­ben und die seit Jah­ren sta­gnie­ren­de tou­ris­ti­sche Nach­fra­ge wie­der zu erhö­hen. (Foto: Piel media)

Zugleich war der Mit­tel­rhein von jeher Teil der west­eu­ro­päi­schen Haupt­ver-kehrs­ach­sen und hat­te gro­ße Bedeu­tung für den Binnenschiffs‑, Bahn- und auch für den Stra­ßen­ver­kehr. Der Fluss trennt bei­de Rhein­sei­ten, kei­ne Brü­cke ver­bin­det die Ufer zwi­schen Mainz und Koblenz. Bahn­ver­kehr und Stra­ßen ver­l­är­men das Tal bis weit in sei­ne hohen Flan­ken hin­auf, tren­nen die Ort­schaf­ten vom Strom oder von den Tal­hän­gen. Die Enge des Tals bot und bie­tet kei­nen Raum für deren Expan­si­on dies­seits der Höhen­flä­chen.

Ein Ent­wick­lungs­hemm­nis, das das Obe­re Mit­tel­rhein­tal im Wett­be­werb der Regio­nen ins Hin­ter­tref­fen gera­ten ließ – in tou­ris­ti­scher Sicht eben­so wie bei der Wirt­schafts­kraft und Lebens­qua­li­tät. Bevöl­ke­rungs­rück­gang und zuneh­men­de Über­al­te­rung sind die Fol­ge.

Kei­ne Brü­cke ver­bin­det die Ufer zwi­schen Mainz und Koblenz. Bahn­ver­kehr und Stra­ßen ver­l­är­men das Tal.

Sicht­ba­res Zei­chen sind auf­ge­ge­be­ne, ver­wil­der­te Wein­bergs­flä­chen, Leer­stän­de in den Ort­schaf­ten und der ver­staub­te Cha­rak­ter man­cher tou­ris­ti­scher Ange­bo­te. Auch der Erhalt der Bur­gen stellt immer grö­ße­re Her­aus­for­de­run­gen dar und so droht dem Tal ein schlei­chen­der Ver­lust sei­ner Ein­ma­lig­keit. Ver­su­che, an die erfolg­rei­chen Wur­zeln des Tou­ris­mus anzu­knüp­fen, hat es zur Genü­ge gege­ben. Schließ­lich stellt er immer noch einen bedeu­ten­den Wirt­schafts­fak­tor im Tal dar. Und es gibt sie, die Leucht­tür­me, die Hoff­nung machen für die Zukunft: Rhein­steig und Rhein­Bur­gen­Weg sind gelun­ge­ne Bei­spie­le dafür, dass das Rhein­tal mit sei­nen Beson­der­hei­ten immer noch zieht und man bei gemein­sa­mem Enga­ge­ment etwas bewir­ken kann – wenn sich die Regi­on auf ihre Poten­zia­le besinnt, Mut zur Ver­än­de­rung fasst und sich als Ein­heit ver­steht.

Zeugnisse uralter Siedlungsgeschichte

Wel­che Beson­der­hei­ten zeich­nen das Obe­re Mit­tel­rhein­tal neben den image-prä­gen­den Fak­to­ren und der Dra­ma­tur­gie sei­ner Topo­gra­fie mit den Land-schaft­s­ter­ras­sen und ‑bal­ko­nen, den Fluss­schlei­fen und Fels­hän­gen noch aus? Da sind neben den Bur­gen auch die Kir­chen, Kapel­len und Klös­ter, die Zeug­nis­se uralter Sied­lungs­ge­schich­te sind. Neben dem Wein gibt es die Streu­obst­be­stän­de mit der Mit­tel­rhein­kir­sche als beson­de­rer Sor­te, die Land- und Forst­wirt­schaft auf den Höhen, Gar­ten­denk­mä­ler, Rhein­ufer­pro­me­na­den und ‑parks im Tal­be­reich, eine zuneh­mend auf regio­na­le Pro­duk­te set­zen­de Gas­tro­no­mie und ein sich als natur­nah und kul­tur­ori­en­tiert pro­fi­lie­ren­der Tou­ris­mus, der Ruhe und Ent­span­nung als Gegen­pol zur Tran­sit­land­schaft setzt.

Die BUGA 2031 bietet die Chance, zwingend notwendige Strukturentwicklungen anzuschieben und die seit Jahren stagnierende touristische Nachfrage wieder zu erhöhen. (Foto: Piel media)
(Foto: Piel media)

Das Kon­zept für die BUGA 2031 spie­gelt die Beson­der­hei­ten und Bega­bun­gen des Tals. Es ver­folgt das Ziel, vor­han­de­ne Schwä­chen zu mil­dern, die Ein­ma­lig­keit der Kul­tur­land­schaft und die Pfle­ge der Bau­kul­tur­gü­ter dau­er­haft zu sichern sowie die Pro­fi­lie­rung des Welt­erbes Obe­res Mit­tel­rhein­tal als inter­na­tio­na­le tou­ris­ti-sche Desti­na­ti­on zu unter­stüt­zen. Dazu bedarf es einer Auf­wer­tung vor­han­de­ner Struk­tu­ren: am Rhein, im Tal, an den Tal­hän­gen und auf den Höhen­zü­gen. Die­se gilt es zudem ver­stärkt zu ver­net­zen, über den Fluss und über die ver­ti­ka­len Dif-feren­zen hin­weg. Damit die Kom­mu­nen Stand­ort- und Lebens­qua­li­tät aus­bau­en, als Gan­zes zukunfts­fä­hig wer­den und an Stand­ort­at­trak­ti­vi­tät für Men­schen und Unter­neh­men gewin­nen.

Zusammenfassung

Das Obe­re Mit­tel­rhein­tal ist eine welt­weit bekann­te tou­ris­ti­sche Desti­na­ti­on. Die Ein­ma­lig­keit sei­ner facet­ten­rei­chen Kul­tur­land­schaft hat ihm den Sta­tus eines Welt­kul­tur­er­bes ein­ge­bracht, die­ses ist aber bedroht. Ins­ge­samt bedarf die wirt­schaft­li­che, tou­ris­ti­sche und demo­gra­fi­sche Ent­wick­lung drin­gen­der Impul­se.

  • In unse­rer Serie beleuch­ten wir auf Basis der Mach­bar­keits­stu­die (PDF 2031, Ergän­zung 2029) die Mög­lich­kei­ten und Aus­wir­kun­gen der Bun­des­gar­ten­schau 2029 im Obe­ren Mit­tel­rhein­tal. Bis­her erschie­nen:
  1. Fami­lie Schmidt besucht die BUGA
  2. Impul­se für das Obe­re Mit­tel­rhein­tal
  3. So war es bei der Lan­des­gar­ten­schau 2008 in Bin­gen
  4. So war es bei der Bun­des­gar­ten­schau 2011 in Koblenz
  5. So war es bei der Bun­des­gar­ten­schau 2015 in der Havel­re­gi­on
  6. Eine dezen­tra­le BUGA – geht das?
  7. Beson­der­hei­ten und Poten­zia­le
  8. Land­schaft: Was­ser, Wald, Fels und Wein
  9. Die Wie­ge des Tou­ris­mus
  10. Infra­struk­tur: Fluch und Segen zugleich
  11. Orts- und Regio­nal­ent­wick­lung
  12. Das Unesco-Welt­erbe
  13. Orga­ni­sa­ti­ons­mo­dell und Pla­nungs­pro­zess
  14. Par­ti­zi­pa­ti­on
  15. Pla­nungs­grund­la­gen
  16. Ziel- und Erfolgs­kri­te­ri­en
  17. Flä­chen­mel­dung und Ein­ord­nung
  18. Leit­li­ni­en
  19. Ver­bund­räu­me
  20. Auf dem Rhein
  21. Das gan­ze Tal bespie­len
  22. Kon­zept für die BUGA 2029
  23. Qua­li­fi­zie­rung und Aus­wahl von Schwer­punkt­stand­or­ten und ‑pro­jek­ten
  24. Stand­or­te im Nörd­li­chen Tal
  25. Stand­or­te im Zen­tra­len Tal
  26. Stand­or­te im Süd­li­chen Tal
  27. Mobi­li­täts­kon­zept
  28. Ver­an­stal­tungs­kon­zept
  29. Tou­ris­ti­sche Infra­struk­tur
  30. Wei­te­re Pro­jekt­ide­en
  31. Was bleibt?

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