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Interview: Wie die Tourismus-Struktur am Mittelrhein „BUGA-fit“ werden kann

Rolf Wölfert ist Marketing-Profi mit hoher touristischer Kompetenz und hervorragender Kenntnis der Region Mittelrhein. Er war zwölf Jahre lang Vorstand der Rüdesheim Tourist AG, die die Aufgabe hat, die Stadt am südlichen Tor zum Oberen Mittelrheintal zu vermarkten. Seit Mai 2019 ist er im Team BUGA 2029 der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz. Im Interview spricht er über die zukunftsfähige Vermarktung der Destination Romantischer Rhein – auch im Hinblick auf die BUGA 2029.

Rolf Wölfert ist Tourismus-Experte im Team BUGA 2029 der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz. Foto: EA

Herr Wölfert, vor gut zehn Jahren wurde die Romantischer Rhein Tourismus GmbH, abgekürzt RRT gegründet. Im Touristiker-Jargon spricht man von einer Destinationsmarketingorganisation (DMO) für die Region von Remagen bis Bingen. Wie sieht eine Zwischenbilanz nach Ihrer Einschätzung aus?

Es gibt noch Luft nach oben, darin sind sich sicher alle Beteiligten einig. Dazu muss die RRT aber finanziell besser ausgestattet werden. Das gilt insbesondere für die Partner aus dem Welterbe Oberes Mittelrheintal. Nach zehn Jahren und einer Phase mit großen Entwicklungssprüngen in der Digitalisierung und Nachfrage, im Hinblick auf die gemeinsame Tourismusstrategie des Landes und die Vorbereitungsphase der BUGA 2029 im Oberen Mittelrheintal müssen die aktuellen Strukturen weiterentwickelt werden. Die drei Gesellschafter müssen dabei ambitionierte Ziele und Maßnahmen verfolgen. Das sind im Oberen Mittelrheintal der Verein „Rhein-Touristik Tal der Loreley e.V.“, im Unteren Mittelrheintal der Verein „Romantischer Rhein vom Drachenfels bis zum Deutschen Eck e.V.“ und die Koblenz-Touristik GmbH.

Sind denn Synergie-Effekte bei der BUGA-Vermarktung und der dauerhaften touristischen Vermarktung denkbar?

Selbstverständlich. Die BUGA 2029 trägt dazu bei, den Mittelrhein zu einer Top-Destination zu entwickeln. Grundsätzlich kann sich eine BUGA GmbH im Veranstaltungsjahr ausschließlich selbst vermarkten. Ziel sollte aber sein, nachhaltig bessere Vermarktungsstrategien für die ganze Region zu entwickeln, die weit über 2029 hinaus wirken. In Koblenz hatte man dies erkannt und im Rahmen der Vorbereitung auf die BUGA 2011 die Touristik neu aufgestellt. Die damit erzielten Erfolge können sich bis heute sehen lassen.

Was schlagen Sie vor, um die Marke „Romantischer Rhein“ besser an die Frau, an den Mann zu bringen?

Derzeit sehe ich drei Lösungsvarianten: Der aktive Ansatz wäre, die RRT GmbH so stark aufzustellen, dass sie die gesamte Region vertreten kann. Dazu muss die Stadt Koblenz stärker in Marketing und Vertrieb eingebunden werden. Der passive Ansatz wäre, die RRT GmbH erfüllt weiterhin nur die Basis-Funktionen einer DMO, um den Status der Destination zu erhalten. Darüber hinaus müssten die Gesellschafter eigenes Marketing betreiben, natürlich mit gemeinsamer strategische Marketing-Kooperation in Bezug auf Zielgruppen und Quellmärkte. Ein alternativer Ansatz wäre, die Stadt Koblenz als übergeordnete touristische Marke gezielt zu stärken und in Kooperation mit den Regionen eine Regionalmarke Koblenz-Rhein/Mosel zu etablieren.

Konkret gefragt: Was sollte direkt angepackt werden?

Wie bereits gesagt: Das Destinationsmarketing muss finanziell besser ausgestattet werden, insbesondere im Welterbe Oberes Mittelrheintal aber auch in Koblenz. Dazu sollte – zumindest im Welterbe-Gebiet – bedarfsgerecht ein Gästebeitrag eingeführt werden. Als Minimalleistung erhält der Gast dafür eine Gästekarte, mit der man mindestens kostenlos den ÖPNV nutzen kann. Das ist mittlerweile üblich und wird von den Gästen auch gut angenommen.

Dabei könnte man wie genau Schritt für Schritt vorgehen?

Wenn definiert ist, welche Aufgaben die RRT GmbH erfüllen soll, wird der Finanzbedarf ermittelt und für die kommenden zehn Jahre prognostiziert. Dabei muss berücksichtigt werden, dass einzelne Tourist-Informationen zukünftig als Touristisches Service Center (TSC) fungieren. Diese übernehmen Aufgaben der bisherigen lokalen TIs, um den Service und die Erreichbarkeit für die Gäste zu verbessern. Im Zuge dessen könnte die RRT GmbH konsequenter als bisher auf den Vertrieb ausgerichtet werden, um zusätzliche Einnahmen zu erzielen und eine Struktur für die Vermarktung der BUGA 2029 sicherzustellen. Wichtig ist auch die Unterscheidung zwischen touristischer Vermarktung und touristischer Infrastruktur. Letztere ist eine Aufgabe der Gebietskörperschaften. Der Welterbe-Zweckverband könnte die Koordination der Investitionen in die touristische Infrastruktur übernehmen. Auch dafür muss der Finanzbedarf ermittelt und auf zehn Jahre prognostiziert werden.

…und der Gästebeitrag könnte die finanzielle Ausstattung dafür liefern?

Die in den drei Gesellschafter-Regionen der RRT GmbH vertretenen Gebietskörperschaften müssten ihre Mittel um mindestens 50 Prozent aufstocken, um auf das Marketing-Niveau anderer Destinationen in Deutschland zu kommen. Eine für die Kommunen kostenneutrale Einnahmequelle dafür ist der Gästebeitrag. Die Ermittlung der Ausgaben für den Tourismus, das heißt Infrastruktur und Marketing, muss in diesen Prozess einfließen, um den Gästebeitrag ermitteln und einen Finanzierungsplan erstellen zu können, der besser ist als der bisherige.

Kürzlich wurde bekannt, dass Geschäftsführerin Jeanette Dornbusch die RRT GmbH zum Jahresbeginn 2021 verlässt. Kann das zu einem Problem werden?

Dazu aus meiner Sicht nur so viel: Das Destinationsmarketing muss mit einer erfahrenen und kompetenten Geschäftsführung, einem ausreichend großem Team und genügend Budget ausgestattet sein.

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