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Die Burggärten und ihre Besonderheiten

Manch ein Burggarten im Oberen Mittelrheintal weist „in Ketten gelegte Felsen“ in der Umgebung auf, andere wurden von den Gebrüdern Grimm beschrieben – zu vielen Burggärten gibt es interessante Besonderheiten. Eine Übersicht.

(Foto: Piel media)
Der Schneckengarten von Burg Rheinfels wird im Grimm’schen Wörterbuch beschrieben. (Foto: Piel media)

Die Auswertung aller Quellen aus der Recherche und die Ergebnisse der Ortsbegehungen zeigen zum einen die Vielfalt an Unterschieden der Burganlagen auf, zum anderen aber auch diverse Gemeinsamkeiten. Diese Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten zeichnen sich auch deutlich in der Gestaltung der Burggärten mit ihrem Umfeld ab. 

Burggärten nach Stilepochen 

Beim Blick auf die Entstehungszeiten der Burgen wird dies noch nicht eindeutig ersichtlich, da die sehr eingeschränkte Quellenlage zu den mittelalterlichen Gärten nicht dazu ausreicht, tragfähige Aussagen zu machen. 

So stehen für den Zeitraum des Mittelalters nur allgemeintypisch der Würz-, Kräuter- und Baumgarten, wie im Kapitel Gartenhistorische Epochen der Burggärten beschrieben. Die auf Basis der Quellen zuordnungsbaren Flächen dieser Gartenbereiche sind größtenteils unbebaut. In der Renaissance und dem Barock gibt es teils aussagekräftige, fundierte Quellen wie z.B. die Geometerpläne nach Dillich. Für den Zeitraum des Barocks steht alleine der Burggarten in Osterspai. Ab dem Zeitraum des Wiederaufbaues in der Rheinromantik können durch gute Voraussetzungen konkrete Aussagen zu den weiteren Epochen, wie zum Landschaftsgarten, zum Historismus und zur Nachkriegszeit getroffen werden. 

Die Typisierung der Burggärten nach Stilepochen ist durchgängig möglich und bietet eine gute Grundlage für die weitere thematische Vermittlung der Burggärten im Mittelrheintal. 

Die Ruinen 

Ruinen sind verfallene oder zerstörte Burganlagen, die nie wiederaufgebaut wurden, wodurch sie unveränderte Zeitzeugen des Burgenbaus am Mittelrhein sind. Sie ermöglichen am deutlichsten einen Vergleich mit anderen Burgen und bieten damit die Nachvollziehbarkeit der über 800-jährigen Zeitreise durch die Epochen. Eine Ausnahme stellt jedoch die Burgruine Rossel dar, welche ein künstlerisches Element in der Gestaltung des Osteinschen Niederwaldes ist. 

Burggärten der preußischen Königsfamilien 

Der Wiederaufbau im Sinne der Rheinromantik begann auf Initiative der preußischen Königsfamilie mit der Burg Rheinstein, die ab 1825 als Sommersitz diente. Es folgte der Wiederaufbau von Burg Sooneck ab 1834 als Jagschloss und fand seinen Abschluss ab 1832 mit Schloss Stolzenfels als Sommersitz des Königs. Die Anlage von Stolzenfels stellt auch in ihrer Ausgestaltung den gestalterischen Höhepunkt dieser Epoche dar. Charakteristisch für diese Kategorie ist der ausdrückliche gestalterische Einbezug von Gärten innerhalb der Burganlage, die Inszenierung der Zuwegung und die weiträumige Gestaltung des Umfelds mit seinem umgebenden Landschaftsraum im Mittelrheintal. 

In der Gestaltungsart folgte man den zeitgenössischen Moden der Garten- und Landschaftsgestaltung. 

Burggärten der Industriellenfamilien 

Dem Beispiel der preußischen Königsfamilie folgten zahlreiche Industrielle, die die Burgen als Familiensitz und zu repräsentativen Zwecken nutzten. Zu diesen Burgen gehören z.B. die Burg Lahneck ab 1854, die Heimburg ab 1866, Burg Gutenfels ab 1888, Burg Reichenstein ab 1898 und weitere. 

Diese veränderte Nutzung zeichnet sich auch als typisch in der Gartengestaltung dieser Anlagen ab. Die Burggärten im Inneren der Anlage gliedern sich in private, dem Familienleben vorbehaltene Bereiche und in öffentlichere Bereiche zur Repräsentation und für Geschäftsbesuche. Die Zuwegung wird auch hier als wesentlicher Teil der Anlage besonders gestaltet. Das Umfeld zeichnet sich meist durch großflächige Reb- und Obstflächen aus, in Einzelfällen auch als parkartiger Übergang in die Landschaft. 

Eine weitere Typisierung lässt sich anhand der freizeitbezogenen Nutzung der Gärten vornehmen. 

Burggärten mit Freizeitangeboten 

In diese Kategorie lassen sich Burggärten mit folgenden, beispielhaft aufgeführten Gestaltungselementen einordnen: 

  • Freiluftkegelbahn 
  • Tennisplätze als Sand- oder Rasenplatz 
  • Reitbahn 
  • Turnierwiese 
  • usw. 

Aus der noch vorhandenen oder belegten Existenz dieser Elemente lässt sich schließen, dass der Gartenraum nicht alleine als Nutzgarten oder zu Repräsentationszwecken diente, sondern auch, dass die Freizeit ausdrücklich im Garten aktiv verbracht wurde. Die Kategorie ist zeitlich nicht festgelegt, sondern zieht sich bis heute durch. 

In einer zukünftigen, vertiefenden Betrachtung werden sich mit Sicherheit weitere Kategorien entwickeln lassen, die ein großes Potenzial in der thematischen Vermittlung der Burggärten darstellen werden.

Mäuseturm

Besonderheit: Mittige Rheininsel.

Burg Klopp

Heutige Lage mittig im Stadtgebiet.

Burg Rheinstein

Prinzenwald, Turnierwiese, Felsen in Ketten, Alexander und Georgs-Aussichtswarte, ehemals vorhandener, dachförmig gezogener Baum-Schirm auf dem Kanonenplatz und historisch belegter Einsatz von Eseln.

Die Gärten der Rheinstein sind als historisch aus der Zeit des Wiederaufbaues zu bezeichnen. Die Besonderheit besteht darin, dass sie die erste Burg des Wiederaufbaus der preussischen Königsfamilie war und Vorbild für weitere wurde. Die Gärten der Rheinstein bestehen aus einigen auf dem direkten Burggelände befindlichen Anlagen und aus dem weiträumig gestalteten Land-schaftsraum. Der die Burg umschließende Prinzenwald mit den Aussichtswarten, dem Schweizerhaus und der Turnierwiese (etc.) wie auch der südlich historisch belegte Weinberg im Kontext mit der Rheinlandschaft bilden ein Gesamtensemble eines Landschaftsparks, der auch die weitere umgebende Landschaft in seine Wirkung (mit Morgenbachtal, Clemenskapelle und Ausblicken, auch auf die Nachbarburg Burg Reichenstein) mit einbezieht. Kleine Besonderheit: Der in „Ketten gelegte Felsen“ am heutigen Zuweg zur Burg, ein schon in Aufbauzeiten mit umlaufenden Ketten gesicherter, steiler und dominanter Einzelfels.

Burg Reichenstein

Freiluftkegelbahn, Tennis-Turnierplatz, Schweizerhaus. Eindeutig gestaltete gärtnerische Freiflächen und Gartenkonzept im Wiederaufbau. Weinberge und Obstwiesen im direkten Umfeld.

Burg Sooneck. (Foto: Piel media)
Burg Sooneck. (Foto: Piel media)

Burg Sooneck

Eselspfade, Rosengärten innerhalb der Burg, Rosenpavillon auf der Aussichtsterrasse. Außergewöhnlich weitläufiger Hanggarten mit Obstwiesen und serpentinenartiger Wegeführung innerhalb der Burganlage.

Heimburg

Neuzeitliche Nutzung als Burggärtnerei, Märchenhain im Umfeld der Burg. Der Wiederaufbau folgte keiner bestandsorientierten Rekonstruktion, sondern wurde als eine Art Landhausarchitektur ausgebaut. Die Wirkung erfolgt als einheitliches Ensemble mit der Ruine in der Kulisse einer Parklandschaft im Stile eines englischen Landsitzes.

Sauerburg

Kegelbahn.

Ruine Fürstenberg

Einsatz von Mittelrheinziegen zu Pflege und Unterhalt. Sie liegt an der Grenze zwischen Weinbergsflächen und Waldflächen. Diese Grenze zieht sich wie ein Grat, mittig der Burg liegend, von Westen nach Osten.

Burg Stahlberg

Imposante, knorrige Eichengruppe.

Burg Stahleck

Offene Zisterne als Wasserbassin. Wohnen in der Burg und im Bergfried.

Burg Pfalzgrafenstein

Rheinmittellage. Herausragende Wahrnehmung durch die Insellage.

Burg Gutenfels. (Foto: Piel media)
Burg Gutenfels. (Foto: Piel media)

Burg Gutenfels

Ehemals vorhandene Kegelbahn, offene Zisterne (möglicherweise als Pferdetränke). Verschieden gestaltete Gartenebenen.

Schönburg

Elfenleyweg von Oberwesel zur Burg.

Burg Rheinfels (Foto: Piel media)
Burg Rheinfels. (Foto: Piel media)

Burg Rheinfels

Schneckengarten. Das Grimm’sche Wörterbuch äußert sich dazu wie folgt: „schneckengarten, m.garten, in dem essbare schnecken aufbewahrt werden: zum beschlusz dieses capitels, musz ich auch etwas weniges von dem schneckengarten gedencken, dass man im sommer an einem verschlossenen oder mit wasser eingefangenen ort, der einen mürben oder etwas erhöheten boden hat, schnecken eintragen lasse“.

Burg Reichenberg

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Burg Katz

Dilich-Plan vorhanden.

Burg Maus. (Foto: Piel media)
Burg Maus. (Foto: Piel media)

Burg Maus

Umfängliche Obstbaumpflanzungen, eine aktuell nicht verpachtete Falknerei.

Burg Liebenstein

Ziegen in den Hängen zur Einschränkung von Verbuschung.

Burg Sterrenberg

Ziegen in den Hängen zur Einschränkung von Verbuschung.

Kurfürstliche Burg

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Schloss Liebeneck

Ehemals vorhandene Kegelbahn, Reitplatz, Gartenpavillon. Die Burg Osterspai ist ein weiterer Sitz der Herren von Liebenstein. Ggf. könnten beide zusammen vermittelt werden, sofern dies durch die privaten Eigentümer gewünscht ist.

Burg Osterspai

Einzig noch in den Grundzügen erhaltene barocke Anlage. Ehemalige Wasserburg.

Schloss Philippsburg

Erstes Renaissanceschloss am Mittelrhein.

Marksburg

Einzige Gipfelburg.

Schloss Martinsburg

Ehemalige Wasserburg.

Burg Lahneck

Fuchsturm mit Gartenhof, Idee nach der Reineke-Fuchs-Narration von Goethe. Erzählung der siebzehnjährigen Idilia Dubb aus Edinburgh, die angeblich im Jahr 1851 auf einem der Türme der Burg Lahneck verdurstet sein soll.

Schloss Stolzenfels. (Foto: Piel media)
Schloss Stolzenfels. (Foto: Piel media)

Schloss Stolzenfels

Reitbahn, Pergolagarten, Esel als Fortbewegungsmittel, Landschaftspark nach Lenné.

Kurfürstliches Schloß

Die Außenanlagen wurden im Rahmen der BUGA 2011 saniert.

Alte Burg

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Festung Ehrenbreitstein

Die Außenanlagen wurden im Rahmen der BUGA 2011 saniert.

Großfestung

Neugestaltung der Freiflächen nach Gestaltungswettbewerb in 2017.

Marktburg (Hessen)

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Boosenburg (Hessen)

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Brömserburg (Hessen)

Einzige Burg mit historisch verbürgtem Dachgrün: Grünstrukturen auf der Dachterrasse, Eigenart im Vergleich zu anderen Burgen.

Ruine Rossel (Hessen)

Gebaute Ruine.

Ruine Ehrenfels (Hessen)

Brutstätte des Wanderfalken. Natürliches Vorkommen von Felsen-Ahorn und weiteren geschützten Arten.

Burg Rheinberg (Hessen)

Unmittelbar in der Nähe des Rheingauer Gebücks, einer natürlichen Grenzbefestigung südlich der Burg. Literaturhinweis: angeblich existiert im Bereich der Vorburg das Kleine Immergrün und „man“ schließt daraus eine mögliche hochmittelalterliche Anpflanzung.

Burg Waldeck (Hessen)

Unmittelbar in der Nähe des Rheingauer Gebücks, einer natürliche Grenzbefestigung.

Ruine Nollig (Hessen)

Hohe Artenvielfalt im Umfeld der Burg.

  • Unsere Serie widmet sich den Burggärten im Welterbe Oberes Mittelrheintal auf Basis der 2019 vom rheinland-pfälzischen Innenministerium vorgestellten Studie (PDF). Zugunsten der Lesbarkeit im Web wurde diese Darstellung gegenüber dem PDF gekürzt. Bisher erschienen:
  1. Die Burggärten im Welterbetal
  2. Was sind überhaupt Burggärten?
  3. Quellen und Materialien
  4. Die Burganlagen im Überblick
  5. Die bauliche Entwicklung der Burgen
  6. Wo es Burggärten gibt
  7. Gartenhistorische Epochen
  8. Aktuelle Situation der Burggärten
  9. Die Besonderheiten
  10. Was Entwicklungsziele sein könnten
  11. Burgen und Burggärten als „Perlenkette“
  12. Beispiele überarbeiteter Gärten aus aller Welt

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