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Aus jeder Epoche seit dem Mittelalter gibt es im Oberen Mittelrheintal Burggärten

Zu Beginn der Unter­su­chung war völ­lig unklar, ob und wenn ja, in wel­chen Epo­chen Gär­ten fes­ter Bestand­teil einer Burg­an­la­ge waren. Die Aus­wer­tung der Recher­che hat jedoch erge­ben, dass sich bei den unter­such­ten Burg­an­la­gen die His­to­rie der Gär­ten teil­wei­se bis ins Mit­tel­al­ter zurück­ver­fol­gen lässt. Dar­aus kann man schlie­ßen, dass der Gar­ten bereits zur Ent­ste­hungs­zeit inte­gra­ler Bestand­teil einer Burg war. Umfang und Inhal­te vari­ie­ren hier­bei und sind stark abhän­gig von der Bedeu­tung und Nut­zung der jewei­li­gen Burg­an­la­ge. 

Die zeit­li­che Ein­ord­nung der beleg­ten Hin­wei­se zu den Gär­ten in die jewei­li­gen Gestal­tungs­epo­chen führt zu dem uner­war­te­ten Ergeb­nis, dass es zu jeder Gestal­tungs­epo­che min­des­tens einen Ver­tre­ter gibt. 

So wird im Welt­erbe Obe­res Mit­tel­rhein­tal‘ eine Zeit­rei­se durch die Epo­chen der Gar­ten­his­to­rie denk­bar. Der Zeit­strahl unten bie­tet hier­zu einen ers­ten Über­blick. Um dies auch inhalt­lich zu visua­li­sie­ren, wer­den nach­fol­gend die Gestal­tungs­epo­chen kurz erläu­tert und anhand bei­spiel­haf­ter Ver­tre­ter aus der Rei­he der unter­such­ten Burg­an­la­gen kom­men­tiert. 

Mittelalter 

Hennebo, Dieter: Gärten des Mittelalters. (Artemis, Zürich, 1987. S. 89)
Hen­ne­bo, Die­ter: Gär­ten des Mit­tel­al­ters. (Arte­mis, Zürich, 1987. S. 89)

Die Quel­len­la­ge mit­tel­al­ter­li­cher Gär­ten ist, wenn man nach orts­be­zo­ge­nen sach­li­chen Infor­ma­tio­nen sucht, nahe­zu aus­sichts­los. Nur ver­schwin­dend weni­ge Plä­ne sind über­haupt greif­bar. Die Pflan­zun­gen sind längst nicht mehr auf­find­bar und Gra­bun­gen sel­ten erfolg­reich, da kei­ne Plä­ne exis­tie­ren, die ent­spre­chen­de Struk­tu­ren an einem bestimm­ten Ort auf­zei­gen. Text­li­che Quel­len wei­sen meist nur all­ge­mein auf den Baum­gar­ten oder den Würz­gar­ten hin, sel­te­ner aber auch auf Tier­gär­ten, in denen Tie­re meist zur Jagd gehal­ten wur­den, zuneh­mend aber auch auf­grund ihrer Sel­ten­heit. Dar­stel­lun­gen des mit­tel­al­ter­li­chen Gar­tens stel­len oft sinn­bild­lich die „typi­schen“ Ele­men­te dar, nicht unbe­dingt die ehe­mals dort vor­han­de­nen. Auch in der Gar­ten­kunst spie­geln sich die sozia­len, wirt­schaft­li­chen, poli­ti­schen oder geist­li­chen Ein­flüs­se des Mit­tel­al­ters wie­der. Es gab kei­ne kul­tur­ge­schicht­li­che Ein­heit, son­dern ver­schie­de­ne Kate­go­rien. Zu Beginn des Mit­tel­al­ters ist davon aus­zu­ge­hen, dass der Gar­ten über­wie­gend sei­ne Funk­ti­on als Nutz­land hat­te. 

Sehr viel prä­gen­der, kamen etwas spä­ter die Klös­ter mit ihren Klos­ter­gär­ten hin­zu, über wel­che die Mön­che gärt­ne­ri­sche Tech­ni­ken und gar­ten­bau­li­che Kennt­nis­se auf­zeich­ne­ten und ver­brei­te­ten. Die­se Auf­zeich­nun­gen sind ein wert­vol­ler Fun­dus und geben Auf­schluss über Pflan­zen­kennt­nis und ‑ver­wen­dung. Wenn auch sie noch vor­wie­gend Nutz­gär­ten waren, las­sen sich hier ers­te Ansät­ze zier­gärt­ne­ri­scher Gestal­tun­gen able­sen. Stell­ver­tre­tend ist hier­für das Sche­ma „Eines Lust­gar­tens nach der Anwei­sung des Alber­tus Magnus“ zu nen­nen, der nun auch im eigent­li­chen Würz­gar­ten Blu­men anord­net und den angren­zen­den Lust­gar­ten mit Rasen­bank, Blu­men, gefass­ter Quel­le und Baum­pflan­zun­gen aus­ge­stal­tet. Der Gar­ten wird nun aus­drück­lich um die Aspek­te der Erho­lung und der Bele­bung der Sin­ne erwei­tert. Der für die Stu­die inter­es­san­tes­te Zeit­raum ist die Zeit der höfisch-rit­ter­li­chen Gär­ten im 12. ‑13. Jh. Für die­se Zeit lässt sich kein all­ge­mein­gül­ti­ges State­ment zum Erschei­nungs­bild des Gar­tens fas­sen, da die Ent­wick­lung des Gar­tens so indi­vi­du­ell war wie die jewei­li­ge Bedeu­tung und Ent­wick­lung der Burg. 

Der (Lust-)Garten befin­det sich inner­halb der Anla­ge geschützt vor Ein­bli­cken. Das Umfeld und die Land­schaft wur­de zwar nicht mehr als feind­lich, aber noch immer als etwas Frem­des emp­fun­den. 

Im Hoch­mit­tel­al­ter hat der Gar­ten die Blü­te­zeit sei­ner Bedeu­tung. In den Som­mer­mo­na­ten wird er als geschütz­ter Raum zu dem Ort, an dem sich das gan­ze gesell­schaft­li­che und pri­va­te Leben abspielt: Gesel­lig­keit, Spiel, Erho­lung und Ort heim­li­cher Lie­be. 

Die in der Stu­die unter­such­ten Gär­ten, zu denen in der Recher­che ein Hin­weis auf die Epo­che des Mit­tel­al­ters vor­liegt, führt lei­der nur zu zwei poten­zi­el­len Ver­tre­tern. Dies sind Burg Stahl­berg und Burg Stahleck. Bei bei­den ist kei­ne Zuord­nung zu den beschrie­be­nen Kate­go­rien mög­lich. Da kei­ne aus­sa­ge­kräf­ti­gen Quel­len vor­lie­gen, kann zunächst nur davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass es sich bei der Burg Stahl­berg um einen Würz‑, Arz­nei- oder Kräu­ter­gar­ten gehan­delt haben könn­te und bei der Burg Stahleck um einen Baum­gar­ten oder einen Obst­baum­gar­ten. 

Da sie die bei­den der­zeit ein­zi­gen Ver­tre­ter für die­se Epo­che wären, soll­ten hier die Recher­chen für wei­te­re Hin­wei­se fort­ge­setzt wer­den. 

Renaissance 

Für die Epo­che der Renais­sance wer­den hier in der Stu­die die gestal­te­ri­schen Ent­wick­lun­gen in der Gar­ten­kunst in Deutsch­land zugrun­de gelegt. Im Gegen­satz zur ita­lie­ni­schen Renais­sance ist in der deut­schen Gar­ten­kunst hier eher der gestal­te­ri­sche Umbruch aus dem Mit­tel­al­ter her­aus gemeint. In die­ser Epo­che ist es jedoch mög­lich, gestal­te­risch typi­sche Ele­men­te und Prin­zi­pi­en, die den Gar­ten der Renais­sance in Deutsch­land aus­ma­chen, zu benen­nen. 

Geblie­ben ist aus dem Mit­tel­al­ter der Schutz­ge­dan­ke, die Abgren­zung nach außen. Wenn die Begren­zung durch Mau­ern erfolgt, so sind die­se berankt oder mit Spa­lie­ren ver­se­hen. Es sind nun aber auch Lau­ben­gän­ge und Hecken für die­se Funk­ti­on mög­lich. Es wer­den auch meh­re­re Gär­ten als Raum­fol­gen zusam­men­ge­schal­tet oder in Form von Ter­ras­sie­run­gen in hän­gi­gem Gelän­de posi­tio­niert. Wei­te­res prä­gen­des Kenn­zei­chen sind die geo­me­tri­schen Anord­nun­gen von Bee­ten als Blu­men­par­ti­men­te in viel­fäl­ti­gen Glie­de­run­gen und Varia­tio­nen. Was­ser kommt in den ver­schie­dens­ten Erschei­nungs­for­men vor, meist als Was­ser­spie­le, zen­tral oder an Weg­kreu­zun­gen. Viel­fäl­tig gestal­te­te Sitz­ni­schen, Bän­ke, Pavil­lons und Lau­ben sind wei­ter­hin grund­sätz­li­che Bestand­tei­le. Die Pflan­zen­aus­wahl ist ein eige­nes The­ma. Hier spie­len die Sor­ten­viel­falt, neue, unbe­kann­te Sor­ten und Rari­tä­ten eine tra­gen­de Rol­le. 

Soge­nann­te Pome­ran­zen­häu­ser für Zitrus- und ande­ren süd­län­di­schen Früch­ten, die in den Som­mer­mo­na­ten die Lust­gär­ten berei­chern, gehö­ren zum Inven­tar. 

Bei den unter­such­ten Burg­gär­ten am Mit­tel­rhein gibt es vier Ver­tre­ter die­ser Epo­che, die nach­weis­lich in der Renais­sance gestal­tet wur­den. Dies sind Burg Rhein­fels, Burg Rei­chen­stein, Burg Katz und Marks­burg. 

Belegt sind die­se Gestal­tun­gen durch die Bestands­auf­nah­me des Geo­me­ters Wil­helm Dilich, der die­se vier Burg­an­la­gen äußerst detail­liert auf­ge­mes­sen und mit aus­sa­ge­kräf­ti­gen Legen­den ver­se­hen hat. 

Ein her­aus­ra­gen­des Bei­spiel ist die Burg Rhein­fels, die neben ver­schie­de­nen ande­ren Nutz- und Obst­gär­ten über einen groß­flä­chi­gen, sehr detail­liert gestal­te­ten Lust­gar­ten ver­füg­te, der in sei­ner Aus­prä­gung wohl in der Regi­on ein­zig­ar­tig war. 

Die Marks­burg ist glei­cher­ma­ßen bei­spiel­haft, mit einem ande­ren Fokus. Die Burg ist, im Gegen­satz zur Rui­ne Rhein­fels, in ihrer Bau­sub­stanz bis auf klei­ne Ver­än­de­run­gen wei­tes­ge­hend erhal­ten. 

Der Blick auf Dilichs Geo­me­ter­plä­ne zeigt ihre Beson­der­heit dar­in, dass sie klar drei Gar­ten­ka­te­go­rien vor­weist, die sich bereits aus dem Mit­tel­al­ter her­aus ent­wi­ckelt haben könn­ten, näm­lich den Würz­gar­ten, den Nutz­gar­ten und den Baum­gar­ten, die auf meh­re­ren Flä­chen ange­ord­net waren. 

Zu die­sem mög­li­chen Rück­schluss soll­te unbe­dingt wei­ter recher­chiert wer­den. 

Barock 

Die Gar­ten­ge­stal­tung im Barock in Deutsch­land ist über­wie­gend von den gärt­ne­ri­schen Ent­wick­lun­gen in Frank­reich geprägt. Typisch sind hier die auf eine zen­tra­le Ach­se bezug­neh­men­den Kom­par­ti­men­te, meist als mit Buchs­baum­he­cken gefass­te geo­me­trisch ange­ord­ne­te Blu­men­par­terres. 

Die für den fran­zö­si­schen Barock typi­sche Macht­dar­stel­lung über die Gar­ten­ge­stal­tung war auch in Deutsch­land ver­tre­ten und an Schloss­an­la­gen und herr­schaft­li­chen Resi­den­zen vor­zu­fin­den. 

Schwetzingen: Schlossgarten-Entwurf von Johann Ludwig Petri, 1753 (Foto: Staatliche Schlösser und Gärten)
Schwet­zin­gen: Schloss­gar­ten-Ent­wurf von Johann Lud­wig Petri, 1753 (Foto: Staat­li­che Schlös­ser und Gär­ten)

Bei den in der Stu­die unter­such­ten Anla­gen trifft dies auf die Frei­an­la­gen des Kur­fürst­li­chen Schlos­ses in Koblenz zu, deren Frei­an­la­gen im Rah­men der BUGA 2011 saniert oder neu ange­legt wur­den. 

Bei der Ein­ord­nung in die­se Epo­che bleibt als ein­zi­ger Ver­tre­ter mit direk­tem Bezug zu einer Burg der Burg­gar­ten Oster­spai. Er zeich­net sich ins­be­son­de­re dadurch aus, dass er 1673 im Bestand belegt ist und seit­her, wenn auch stark redu­ziert und moder­ni­siert, erhal­ten geblie­ben ist. 

Die­ses Poten­zi­al soll­te aus­drück­lich wei­te­re Berück­sich­ti­gung fin­den und wei­ter kom­mu­ni­ziert wer­den.

Landschaftsgarten 

Illustrationstafel VII in „Andeutungen über Landschaftsgärtnerei“ Gestaltung von Wehren, Fürst Hermann von Pückler-Muskau, 1834
Illus­tra­ti­ons­ta­fel VII in „Andeu­tun­gen über Land­schafts­gärt­ne­rei“ Gestal­tung von Weh­ren, Fürst Her­mann von Pück­ler-Mus­kau, 1834

Für den Zeit­raum von 1750 bis 1850 war der Land­schafts­gar­ten in sei­nen ver­schie­de­nen Aus­drucks­for­men die prä­gen­de Gestal­tungs­form, die sich aus einem völ­lig neu­en Natur­ver­ständ­nis und neu­en pan­ora­maar­ti­gen Sicht­wei­sen ent­wi­ckelt hat. Vor­be­rei­tend hier­zu war der soge­nann­te Lust­wald, der noch den Ansatz hat­te, vor­han­de­ne Wal­dun­gen mit Aus­zie­run­gen gar­ten­ge­stal­te­risch auf­zu­be­rei­ten. Dabei wur­de aus dem Barock oft noch die zen­tra­le Ach­se auf das Herr­schaft­li­che Haus bei­be­hal­ten. Im Rah­men der Stu­die ist hier als frü­hes­ter Bau die Ros­sel, eine gebau­te Rui­ne, zu benen­nen. Sie gilt mit ihrem expo­nier­ten Stand­ort an der süd­li­chen Fels­kan­te, auf der Höhe des Bin­ger Loches, als eine Art Sym­bol­trä­ger der Rhein­ro­man­tik. 

Illustrationstafel XV in „Andeutungen über Landschaftsgärtne-rei“, Schloss und Rampe vom Bowling Green gesehen, Fürst Hermann von Pückler-Muskau, 1834
Illus­tra­ti­ons­ta­fel XV in „Andeu­tun­gen über Land­schafts­gärt­ne­rei“, Schloss und Ram­pe vom Bow­ling Green gese­hen, Fürst Her­mann von Pück­ler-Mus­kau, 1834

Hier im Lust­wald des Ostein­schen Nie­der­wald begann die lite­ra­ri­sche Vor­be­rei­tung der Rhein­ro­man­tik. Für die Epo­che des Land­schafts­gar­tens gibt es rela­tiv vie­le beleg­te Hin­wei­se. Der aktu­el­le Recher­che­s­tand bezieht sich in ers­ter Linie auf den spä­ten Land­schafts­gar­ten ab 1820, prä­zi­se bezo­gen auf ein­zel­ne Doku­men­te ab 1822. Prä­gen­des Gestal­tungs­mit­tel für den Land­schafts­gar­ten ist der Ein­be­zug des Umfel­des und der umge­ben­den Land­schaft mit Ber­gen, Nie­de­run­gen, Flüs­sen und Wäl­dern. Es wer­den ver­schie­dens­te Klein­ar­chi­tek­tu­ren vom Tem­pel über das Schwei­zer Haus, den Chi­ne­si­schen Pavil­lon, Brü­cken oder Skulp­tu­ren mit der ent­spre­chen­den Wege­füh­rung plat­ziert, die von wei­ten Wie­sen­flä­chen über ange­pflanz­te Clumps und Wald­tei­le beglei­tet wer­den. Immer neue Sicht­be­zie­hun­gen und Blick­ach­sen wer­den durch die aus­ge­such­te Wege­füh­rung für den Besu­cher mög­lich. 

Illustrationstafel XVI in „Andeutungen über Landschafts-gärtnerei“: Aussicht vom Herrengarten, Fürst Hermann von Pückler-Muskau, 1834
Illus­tra­ti­ons­ta­fel XVI in „Andeu­tun­gen über Land­schafts­gärt­ne­rei“: Aus­sicht vom Her­ren­gar­ten, Fürst Her­mann von Pück­ler-Mus­kau, 1834

Wie unter­schied­lich die­ser Ansatz sein kann, wird allei­ne bei der Ein­ord­nung der poten­zi­el­len Ver­tre­ter inner­halb der unter­such­ten Bur­gen deut­lich. Allei­ne die drei durch die preu­ßi­sche Königs­fa­mi­lie wie­der auf­ge­bau­ten Bur­gen Burg Rhein­stein, Burg Soon­eck und Schloss Stol­zen­fels prä­sen­tie­ren sich in sehr unter­schied­li­chen Gestal­tungs­for­men. Der land­schaft­li­che Gar­ten der Burg Klopp wird in einem zeit­ge­nös­si­schen Rei­se­be­richt als klei­ner Ostein­scher Park bezeich­net und inter­pre­tiert ver­mut­lich den glei­chen gestal­te­ri­schen Ansatz auf gerin­ge­rer Flä­che. Burg Lahneck lebt über den noch weit­räu­mi­ge­ren Ein­be­zug des Land­schafts­rau­mes zwi­schen den Flüs­sen Lahn und Rhein. Beson­ders ist hier der direk­te Sicht­be­zug der bei­den Anla­gen Stol­zen­fels und Lahneck, bei denen wech­sel­sei­tig Ein­flüs­se auf ihre Gestal­tung fest­zu­stel­len sind.

Historismus 

Das alte Gesellschaftshaus im Palmengarten Frankfurt Außenanlagen: Franz Heinrich Siesmayer um 1871
Das alte Gesell­schafts­haus im Pal­men­gar­ten Frank­furt Außen­an­la­gen: Franz Hein­rich Sies­may­er um 1871

Der Über­gang zum His­to­ris­mus war in der Gar­ten­ge­stal­tung flie­ßend. Sicher­lich kann die ein oder ande­re Anla­ge nach genaue­rer Prü­fung auch noch dem spä­ten Land­schafts­gar­ten zuge­ord­net wer­den. Die Unter­glie­de­rung in den His­to­ris­mus gibt aber Sinn, da typi­sche Ele­men­te, abge­lei­tet aus der his­to­ri­sie­ren­den Gebäu­de­aus­ge­stal­tung, auch in den Gär­ten die­ser Zeit vor­zu­fin­den sind. Dies sind z.B. der Ten­nis­tur­nier­platz, die Frei­luft­ke­gel­bahn, aber auch his­to­ri­sie­ren­de Gar­ten­be­rei­che als Rück­griff auf baro­cke Par­terres oder mit­tel­al­ter­li­che Kräu­ter­gär­ten. Der Zeit­strahl der Bur­gen unten führt in der Spal­te His­to­ris­mus fol­gen­de Bur­gen auf: Burg Rei­chen­stein, Heim­burg, Schön­burg, Schloss Lie­ben­eck, Burg Oster­spai und Burg Lahneck. 

Für die Burg Oster­spai ist im Zeit­strahl die Haupt­ein­ord­nung im Barock als doku­men­tier­ter Ent­ste­hungs­zeit­raum für den Burg­gar­ten maß­geb­lich. Der zwei­te Ein­trag im Zeit­fens­ter des His­to­ris­mus beruht auf einer doku­men­tier­ten Pflan­zen­lis­te aus die­ser Zeit. 

Bei der Burg Lahneck ist der Über­gang flie­ßend. Hier ist davon aus­zu­ge­hen, dass durch den Eigen­tü­mer­wech­sel wei­te­re gestal­te­ri­sche Aspek­te hin­zu­ka­men. 

Ein­deu­ti­ger Ver­tre­ter für die­se Epo­che ist Burg Rei­chen­stein. Dies ist nicht nur am Zeit­raum ihrer Ent­ste­hung, son­dern auch durch den Ein­satz typi­scher Gestal­tungs­ele­men­te belegt. Die Frei­räu­me und ihre Aus­ge­stal­tung sind gut doku­men­tiert. Es gibt zahl­rei­che zeit­ge­nös­si­sche Foto­gra­phien zu den Gär­ten, die auch Ein­bli­cke in das Fami­li­en­le­ben auf der Burg geben. 

Moderne | Nachkriegszeit 

Die Moder­ne bzw. Nach­kriegs­mo­der­ne stand in ers­ter Linie unter dem Ein­fluss des Bau­hau­ses. Die Ant­wor­ten in der Land­schafts­ar­chi­tek­tur ori­en­tier­ten sich stark an der Archi­tek­tur. Bekann­te Ver­tre­ter waren z.B. Lebe­recht Mig­ge, Erwin Barth oder Her­mann Mat­tern. Karl Foers­ter steht ins­be­son­de­re für völ­lig neue Pflanz­kon­zep­te und Stau­den­ver­wen­dung. 

Ein direk­ter Bezug zu den Burg­gär­ten im Mit­tel­rhein­tal ist hier nicht gege­ben. Die Hin­wei­se aus der Aus­wer­tung der Recher­che zu den 14 Bur­gen, die im Zeit­strahl für die­sen Zeit­raum eine Ein­tra­gung haben, bezie­hen sich haupt­säch­lich auf die nach­kriegs­zeit­li­chen Bau- und Sanie­rungs­ak­ti­vi­tä­ten der Eigen­tü­mer, die oft durch Besit­zer­wech­sel aus­ge­löst wur­den. Auf­fal­lend ist der hohe nutz­gärt­ne­ri­sche Anteil an Gar­ten- und Wein­bergs­flä­chen im Umfeld der Burg in den ca. 1950-iger Jah­ren, was durch zahl­rei­che Fotos und Post­kar­ten doku­men­tiert ist. 

Wei­te­res „Iden­ti­fi­ka­ti­ons­merk­mal“ der gärt­ne­ri­schen Moder­ne in den Burg­gär­ten ist die Ver­wen­dung des klas­si­schen Jäger­zauns. Des Wei­te­ren kom­men bei den Burg­an­la­gen nun die gas­tro­no­mi­schen Nut­zun­gen hin­zu. In den Frei­flä­chen ent­ste­hen Som­mer­ter­ras­sen, PKW- und Bus-Stell­plät­ze.

Aktuelle Entwicklungen 

Die­se Zeit­epo­che, die im Zeit­strahl zuletzt auf­ge­führt ist, basiert auf kei­ner direk­ten Zuord­nung zu einem bestimm­ten Gestal­tungs­stil. Als eines der Ergeb­nis­se der Recher­che konn­te doku­men­tiert wer­den, dass es nach 2000 meh­re­re Besit­zer­wech­sel gab und aus nicht bekann­ten Grün­den meh­re­re Sanie­run­gen und Neu­an­la­gen im Innen­be­reich und im Umfeld der Burg­an­la­gen durch­ge­führt wur­den. Dies gilt ins­be­son­de­re auch für die Erschlie­ßung der Bur­gen. Ein­ge­ord­net im Zeit­strahl sind hier 20 Bur­gen. Dies ver­mit­telt zunächst zwar in der Gesamt­be­trach­tung eine hohe Sanie­rungs­ak­ti­vi­tät, sagt aber grund­sätz­lich nichts dar­über aus, ob heu­te kein Sanie­rungs- oder Erneue­rungs­be­darf besteht. Legt man den Bestand im Rah­men der Orts­be­ge­hun­gen zur Stu­die in 2017 zugrun­de, so kann bei den Anla­gen Schloss Stol­zen­fels, Fes­tung Ehren­breit­stein, Kur­fürst­li­ches Schloss und Alte Burg ein guter bis sehr guter Sanie­rungs­stand bestä­tigt wer­den. Dies resul­tiert aus den durch­ge­führ­ten Maß­nah­men, die zur BUGA 2011 durch­ge­führt wur­den. Zur Burg Bop­pard gab es kei­nen direk­ten Hin­weis auf eine (zeit­wei­se) Gar­ten­ge­stal­tung. Die grund­haf­te Sanie­rung der Anla­ge wur­de 2016 voll­stän­dig abge­schlos­sen. 

Nach dem kur­zen Über­blick über die ver­schie­de­nen Gestal­tungs­epo­chen der Gar­ten­ar­chi­tek­tur und der Ein­ord­nung der unter­such­ten Burg­gär­ten in die­se lässt sich erfreu­li­cher­wei­se als abschlie­ßen­des Ergeb­nis fest­stel­len, dass es inner­halb der unter­such­ten Bur­gen jeweils min­des­tens einen Ver­tre­ter einer Epo­che gibt. 

Anlage Schloss Stolzenfels (Foto: www.koblenz-touristik.de)
Anla­ge Schloss Stol­zen­fels (Foto: www​.koblenz​-tou​ris​tik​.de)
Anlage Festung Ehrenbreitstein (Foto: www.koblenz-touristik.de)
Anla­ge Fes­tung Ehren­breit­stein (Foto: www​.koblenz​-tou​ris​tik​.de)
Anlage Schloss Stolzenfels (Foto: www.koblenz-touristik.de)
Anla­ge Schloss Stol­zen­fels (Foto: www​.koblenz​-tou​ris​tik​.de)
Anlage Alte Burg Koblenz (Foto: www.koblenz-touristik.de)
Anla­ge Alte Burg Koblenz (Foto: www​.koblenz​-tou​ris​tik​.de)

Durchführung signifikanter Maßnahmen zur Gestaltung der Burggärten
Durch­füh­rung signi­fi­kan­ter Maß­nah­men zur Gestal­tung der Burg­gär­ten
  • Unse­re Serie wid­met sich den Burg­gär­ten im Welt­erbe Obe­res Mit­tel­rhein­tal auf Basis der 2019 vom rhein­­land-pfäl­­zi­­schen Innen­mi­nis­te­ri­um vor­ge­stell­ten Stu­die (PDF). Zuguns­ten der Les­bar­keit im Web wur­de die­se Dar­stel­lung gegen­über dem PDF gekürzt. Bis­her erschie­nen:
  1. Die Burg­gär­ten im Welt­erbe­tal
  2. Was sind über­haupt Burg­gär­ten?
  3. Quel­len und Mate­ria­li­en
  4. Die Burg­an­la­gen im Über­blick
  5. Die bau­li­che Ent­wick­lung der Bur­gen
  6. Wo es Burg­gär­ten gibt
  7. Gar­ten­his­to­ri­sche Epo­chen
  8. Aktu­el­le Situa­ti­on der Burg­gär­ten
  9. Die Beson­der­hei­ten
  10. Was Ent­wick­lungs­zie­le sein könn­ten
  11. Bur­gen und Burg­gär­ten als „Per­len­ket­te“
  12. Bei­spie­le über­ar­bei­te­ter Gär­ten aus aller Welt

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