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Für Loreley und Mittelrheintal: Die Kernpunkte im Tourismusstrukturkonzept bis zur BUGA

Die Loreley ist das Herzstück des Welterbes Oberes Mittelrheintal und eine der bedeutendsten Attraktionen Deutschlands. „Aktuell mangelt es der Verbandsgemeinde Loreley an einer schlagkräftigen Tourismusorganisation, die strategisch und erfolgsorientiert ausgerichtet ist und handeln kann“, beurteilt dagegen ein renommiertes Beratungsunternehmen den örtlichen Tourismus. Am Beispiel der Verbandsgemeinde Loreley hat es ein modellhaftes Organisationskonzept für touristische Orte mit herausragender Bedeutung entwickelt.

Die Vermarktung der Loreley ist mancherorts in die Jahre gekommen. Auch für manche Tourist-Information attestiert die Studie ein Erscheinungsbild der 1970er-Jahre. (Foto: Piel media)
Die Vermarktung der Loreley ist mancherorts in die Jahre gekommen. Auch für manche Tourist-Information attestiert die Studie ein Erscheinungsbild der 1970er-Jahre. (Foto: Piel media)

Für die BUGA 2029 verkörpert die Verbands­gemeinde Loreley mehrere touris­tische Orte mit heraus­ragender Bedeu­tung. Ziel der Ent­wicklungs­agentur (EA) Rheinland-Pfalz war daher, am Bei­spiel der Loreley ein Modell zu ent­wickeln, das als Mus­ter dienen soll.

Auf 63 Seiten haben die Experten der Freizeit- und Tourismus­beratung GmbH aus Köln die bis­herigen Probleme der Loreley untersucht. Im Auftrag der EA ent­wickelten sie ein modell­haftes Organi­sations­konzept. Dieses BUGA-Tourismus­struktur­konzept sieht im Wesentlichen die Grün­dung einer GmbH an der Loreley vor. Sie soll den Tourismus stärker leistungs­orientiert fördern und den Kultur- und Land­schafts­park auf dem Loreley-Plateau managen.

Die Analyse

Die Voraussetzungen für gelingenden Tourismus sind eigentlich gut: Neben dem attraktiven, sagenumwobenen Loreley-Felsen als Ausflugsziel und seinem Mythos ist die Region bekannt für ihre Burgen und den Weinanbau. „Es gibt gute Voraussetzungen für Aktivtourismus, überregionale Wander- und Radwege verlaufen durch die Verbandsgemeinde“, heben die Experten hervor. Jedoch sind die Zahlen der Übernachtungen und Ankünfte in der Verbandsgemeinde Loreley seit 2013 leicht rückläufig. Und anders als bei den Übernachtungen gibt es keine fundierten Erhebungen zur Zahl der Tagesgäste an der Loreley.

Die besucherstärksten Attraktionen der Verbandsgemeinde Loreley sind die Marksburg (rund 182.000 Besucher in 2017) und der Loreley-Bob (rund 50.000 Gäste je durchschnittlich drei Fahrten in 2017), die Burg Pfalzgrafenstein (rund 20.500 Besucher in 2017) sowie das Loreley-Plateau und die Freilichtbühne (rund 50.000 bis 60.000 Veranstaltungsbesucher in den vergangenen Jahren). Hinzu kommen neben Rhein in Flammen auch jährliche Events, die 5000 bis 10.000 Gäste anziehen.

Der Loreleyfelsen ist deutschlandweit ein beliebtes Reiseziel. (Foto: Piel media)
Der Loreleyfelsen ist deutschlandweit ein beliebtes Reiseziel. (Foto: Piel media)

Um den Tourismus als Wirtschaftsfaktor für die Verbandsgemeinde Loreley zu sichern, sollten aus Sicht der Berater sowohl die Zahl der Übernachtungsgäste als auch die der Tagesausflügler langfristig gesichert und gesteigert werden. Zukunftsweisend sei dabei der Zuschlag für die BUGA 2029: Sie ist der Fixpunkt bei der langfristigen Zielausrichtung der touristischen Organisation.

Derzeit investieren Bund und Land rund 11 Millionen Euro in den Kultur- und Landschaftspark zum Mythos Loreley (1. Bauabschnitt). Ab Mitte 2020 soll ein gastronomischer Betrieb im Gasthaus am mythischen Felsen starten. Insgesamt sollen vier mythische Orte entstehen, unter anderem ein „Mythosraum“ als Ausstellungsraum mit gläsernem Felsen. Die Aufgabe an dieser Stelle ist nun, ein Betreiberkonzept und ein professionelles Management für den Park zu entwickeln. Es soll das Areal als gesamtes Produkt entwickeln und zielgerichtet vermarkten.

Die Defizite

Schonungslos zählen die Autoren der Studie die Defizite und den großen Nachholbedarf beim Tourismus auf, unter anderem:

  • geringe finanzielle Mittel zur touristischen Aufgabenwahrnehmung
  • unklare Aufgabenverteilung und Zuständigkeiten in den Gemeinden
  • personelle Unterbesetzung
  • kaum vorhandenes Strategiedenken
  • unklares und unterschiedliches Verständnis zur Erfassung von touristischen Daten
  • geringe Digitalisierung
  • geringe Zusammenarbeit und Konkurrenzdenken untereinander
  • uneinheitliches und zum Teil veraltetes Informationsmaterial
  • uneinheitliche und veraltete Gestaltung der Tourist-Informationen
  • nicht dem Bedarf entsprechende Öffnungszeiten der Tourist-Informationen. So öffnen von den sechs Tourist-Informationen in der Region schon mal vier nicht an Sonntagen.

(Die) Tourist-Information am Rathaus (in St. Goarshausen) ist visuell auf dem Stand der 1970er Jahre, kein zeitgemäßes Ambiente.

Könnte stärker genutzt werden: die Loreleybühne. (Foto: Piel media)
Könnte stärker genutzt werden: die Loreleybühne. (Foto: Piel media)

Die Studie sieht in der Folge Handlungsbedarf für eine effiziente und zielgerichtete Tourismusförderung. Sie untermauert dies anhand von Zahlen: Pro Übernachtung eines Gastes werden bei dem Loreley Touristik e.V. umgerechnet 11 Cent in Marketingmaßnahmen investiert (Stand 2017). Das ist weit unter Durchschnitt. In ganz Rheinland-Pfalz werden dagegen umgerechnet 58 Cent pro Übernachtung investiert. Das Marketingbudget müsse auf ein marktübliches Niveau angehoben werden, empfehlen die Experten.

Und: Durch sehr unterschiedliches Informationsmaterial und verschiedene Internetauftritts ist die Zusammengehörigkeit in der Verbandsgemeinde vielmals nicht ersichtlich. „Die Loreley Touristik hat es noch nicht genug geschafft, eine eigene touristische Identität der Loreley-Anrainer zu schaffen. Das Tourismusbewusstsein muss erhöht werden“, mahnen die Autoren.

Dazu gehören auch die Standorte: Aufgrund der Lage in den Orten befinden sich einige Tourist-Informationen nicht an den „Touchpoints“ der Touristen, etwa den Fähr- und Fahrgastschiffanlegern oder den bedeuten Besucherattraktionen. Die Studie vermisst eine zentrale Steuerung und einheitliche Führung. Entsprechend sind die Zahlen der direkten Kundenkontakte gering.

Die Ursachen

Als Grund für die Lage sehen die Autoren auch die vergleichsweise geringe personelle Ausstattung. In Rheinland-Pfalz haben lokale Tourismusorganisationen durchschnittlich sechs Personalstellen. Der Loreley Touristik e.V. muss dagegen mit 1,5 Stellen, vier Teilzeitkräften und zwei Aushilfen auskommen. Auch in Sachen Gesamtbudget und Etat für Marketing und Marktforschung liegt die Loreley zurzeit weit unter dem Durchschnitt im Land und im Vergleich mit anderen Bundesländern.

Um eine kritische Größe für die Marktbearbeitung zu erreichen, empfiehlt auch ein Leitfaden auf Landesebene neue Tourismus-Service-Center: marktfähige, strategisch geführte Einheiten auf lokaler Ebene mit landesweit einheitlich definierten Kernaufgaben.

Die Ziele

Eine neue GmbH soll der Tourismusförderung am Loreleyfelsen neues Leben einhauchen. (Foto: Piel media)
Eine neue GmbH soll der Tourismusförderung am Loreleyfelsen neues Leben einhauchen. (Foto: Piel media)

Langfristig soll die Loreley als attraktives Reiseziel wahrgenommen werden – als Standort für Urlaubsreisen wie auch als Ziel für Tagesausflüge. Dazu bedarf es einer Organisationseinheit, die professionelle und schlagkräftige Tourismusförderung umsetzt. Kernaufgabe ist die Entwicklung und Vermarktung der Angebote des gesamten Verbandsgemeindegebiets. Mehr Wertschöpfung durch den Tourismus ist das Ziel. Im Ergebnis muss eine Organisation entstehen, die ein starker Partner für die BUGA 2029 und ein Impulsgeber wird. Sie soll sich auf die regionale Bewerbung der Angebote vor Ort konzentrieren und Einwohner des lokalen Umfelds sowie Urlauber aus Nachbarkommunen ansprechen. Die nationale und internationale Vermarktung soll hingegen über die aktive Nutzung von Kanälen und Ressourcen von Kooperationspartnern erfolgen – etwa Verbände, Betriebe, Reedereien und Reiseveranstalter.

Im Detail gehört dazu eine qualitativ hochwertige Information und Betreuung der Gäste der Verbandsgemeinde entlang der gesamten „Customer Journey“ – also seiner „Reise“ vom ersten Kontakt mit dem Reiseziel etwa auf einem Plakat oder im Internet über seine Buchung bis zum eigentlichen Aufenthalt und der anschließenden Bewertung.

So sollten denn auch die Webseiten der Orte einheitlich gestaltet sein. Für die Orte bietet sich so die Möglichkeit, Zugang zu einem professionellen Online-Auftritt zu erhalten und die Kosten der eigenen Webseitengestaltung zu senken. Auch die Mehrsprachigkeit (deutsch, englisch, niederländisch) wäre gegeben. Ein Besucherinformations- und Leitsystem gehört dazu, daneben Merchandising-Artikel wie Souvenirs und ein Kundenbindungsmanagement, um Wiederholungsbesuche anzuregen.

Die Lösung

Lösungsmodell Loreley Tourismus- und Betriebsgesellschaft. (Quelle: ift GmbH, 2018)
Lösungsmodell Loreley Tourismus- und Betriebsgesellschaft. (Quelle: ift GmbH, 2018)

Eine zu gründende GmbH soll aus Sicht der Experten die Aufgaben übernehmen. Erfolgsorientiert, mit finanziellen Gestaltungsmöglichkeiten ausgestattet und flexibel bei ihren Entscheidungen soll eine Loreley Tourismus- und Betriebsgesellschaft, so der Arbeitstitel, dem Tourismus eine neue Stärke geben. Die Vorteile: Alle Leistungen erfolgen aus einer Hand, Doppelarbeit wird vermieden. Durch die Rechtsform als GmbH wird ein Anreiz zum leistungsorientierten, wirtschaftlichen Arbeiten und zur Gewinnorientierung geschaffen.

Nötig sind dafür freilich neue Stellen, sowohl für den Kultur- und Landschaftspark als auch die Tourismusförderung. Die Studie nennt sieben bis neun Vollzeitstellen. Auch das Budget müsse aufgestockt werden – von derzeit rund 273.000 Euro jährlich auf 450.000 bis 600.000 Euro. Hinzu kommen Pflegekosten für den Kultur- und Landschaftspark in Höhe von 250.000 bis 600.000 Euro.

Die Refinanzierung

Auf eine neue Stufe soll die GmbH die Refinanzierung heben. Auszuarbeiten sind laut Studie die Bereiche Events und Führungen, das Merchandising, Parkeinnahmen auf dem Loreley-Plateau, die Gastronomie und die Loreley-Freilichtbühne. Nötig werden zudem Zuschüsse durch die Verbandsgemeinde und weiterer Gesellschafter.

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