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Verleihsystem: Mit dem E-Bike in 25 Minuten zu allen Zielen am Mittelrhein?

Wie könnte ein Verleihsystem für E-Bikes entlang des ganzen Mittelrheins aussehen? Dazu hat die Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz einen Info-Nachmittag bei der IHK Koblenz veranstaltet. Auf eine entsprechende Infrastruktur könnte auch ein künftiges Mobilitätskonzept der BUGA 2029 aufbauen. In der Region soll das Projekt in den kommenden Monaten beraten werden, um möglichst viele Kommunen zu vernetzen.

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So einfach könnte es gehen: Mit der Smartphone-App registriert man sich als Kunde. Dann kann man ein E-Bike vorab reservieren oder direkt an einer Station an einem Bahnhaltepunkt am Mittelrhein buchen und das Schloss über die App öffnen. Die App zeigt auch an, wie viele Räder an welchen Stationen zur Verfügung stehen, wie viel Akku-Laufzeit sie noch haben oder wie lange es dauert, bis sie voll geladen sind. Unterwegs kann man mit der App-Funktion „Parken“ eine Pause einlegen oder eine Burg besichtigen. Das Rad wird dazu abgeschlossen, während die Ausleihe weiter läuft. Wenn man das Rad an einer beliebigen Station im Verbundsystem wieder abschließt, endet die Leihzeit und die App zeigt den Betrag an, der abgebucht wird. Die Räder sind immer in Schuss, weil ein professionelles Team regelmäßig alle Funktionen überprüft und Schäden repariert.

Konzeption für den Mittelrhein

Christine Pletsch von der Firma Nextbike GmbH erläuterte auf Einladung der Entwicklungsagentur Rheinland-Pfalz, wie ein solches Verleihsystem am Romantischen Rhein von Remagen bis Bingen/Rüdesheim aussehen könnte. Vertreter der Kommunen und der Touristikverbände zeigten starkes Interesse an der Idee, die im Zuge der Überlegungen zur Mobilität bei der Buga 2029 im Oberen Mittelrheintal entstanden war.

Christine Pletsch
Christine Pletsch von der Firma Nextbike präsentiert, wie ein Fahrradverleihsystem am Mittelrhein aussehen könnte. Foto: Stephan Morgenstern

Den Schwerpunkt am Mittelrhein sehen alle Beteiligten dabei in der touristischen Nutzung entlang der Rheinradwege, aber auch für Pendler kann das Fahrradverleihsystem das bestehende ÖPNV-Angebot sinnvoll ergänzen. Das Planungsteam von Nextbike hat ermittelt, welche Infrastruktur geschaffen werden muss, damit entlang des Romantischen Rheins alle Bahnstationen, Fähren, Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkte von den Radstationen aus in 25 Minuten Fahrzeit erreichbar sind. Grundlage dafür sind E-Bike-Modelle mit einer Akku-Reichweite von 60 bis 80 Kilometern und einer Ladezeit von 4,5 Stunden. Das wären dann 37 Stationen und 260 Räder insgesamt:

  • 9 Stationen in Koblenz mit jeweils 10 Rädern,
  • 3 Stationen in Bingen mit jeweils 10 Rädern,
  • 3 Stationen in Rüdesheim mit jeweils 10 Rädern,
  • 22 Stationen am restlichen Mittelrhein mit jeweils 5 Rädern.

Christine Pletsch schlägt vor, den Ausbau des Netzes schrittweise zu planen. Zum Start bietet sich das Ankerzentrum in Koblenz an, gefolgt vom zweiten Schwerpunktbereich bei Bingen und Rüdesheim. Anschließend würden restlichen Stationen folgen, um die Lücken zu schließen.

Im Verbund sind Kommunen erfolgreich

Christian Seul
Auch im ländlichen Raum werden E-Bike-Verleihsystem gut angenommen, berichtet Christian Seul von der Regionalverkehr Köln GmbH. Foto: Stephan Morgenstern

Bevor die Fahrradausleihe für Touristen und Pendler am Mittelrhein so einfach wird, liegt noch etwas Arbeit vor den Verantwortlichen. Denn die Kommunen müssen sich erst noch auf ein gemeinsames Konzept einigen, das dann ausgeschrieben wird. Mit dem Bieter, der die Ausschreibung gewinnt, könnte ein Rahmenvertrag geschlossen werden, der auch einen möglichen weiteren Ausbau des Netzes einschließt.

Mit genau diesen Vorbereitungen kennt sich Christian Seul von der Regionalverkehr Köln GmbH aus, die heute nach einem identischen System die Netze „RVK e-Bike“ und „Bergisches e-Bike“ von Nextbike betreiben lässt. Sein Fazit: Solche Verleihsysteme sind nicht nur für Großstädte geeignet, sondern werden auch im ländlichen Raum angenommen.

Etwa zwei Jahre hat es laut Seul von der Idee bis zum Start des Netzes „RVK e-Bike“ gedauert. Ein Verbund aus sieben Kommunen und einem Verkehrsunternehmen hat sich erfolgreich beim bundesweiten Förderwettbewerbe „Klimaschutz durch Radverkehr“ beworben. Für die Investitionen erhielten die Kommunen zwischen 70 und 90 Prozent Förderung, das Verkehrsunternehmen 70 Prozent. Die laufenden Betriebskosten müssen die Projektpartner selbst tragen.

Die Gemeinden im Rhein-Sieg-Kreis und im Kreis Euskirchen haben insgesamt rund 170.000 Einwohner. Zielgruppen des Projektes sind ÖPNV-Pendler in die Region Köln/Bonn, Freizeitradler und Touristen sowie „Jedermann“ (Studenten, Heimarbeiter, Freiberufler, Hausfrauen/-männer, Senioren). Die Nutzer zahlen im Basis-Tarif 2 Euro pro 30 Minuten, maximal 18 Euro pro Tag. Der Monatstarif, mit dem die jeweils ersten 30 Minuten pro Ausleihe frei sind, kostet 15 Euro, der Jahrestarif 60 Euro. Über Nacht, von 17 Uhr bis 8 Uhr, kann man das Rad für 3 Euro behalten. Zusätzliche Nachlässe gibt es, wenn man ÖPNV-Abokunde ist.

Die Nutzerzahlen bezeichnet Seul als „sehr zufriedenstellend“: Etwa 1300 bis 1500 Ausleihen pro Monat verbucht „RVK e-Bike“ aktuell, wobei die Nachfrage an Wochenenden und Feiertagen am stärksten ist. Wichtig für den erfolgreichen Verlauf des Projektes sei in jedem Fall die zentrale Koordination durch das Verkehrsunternehmen gewesen. Dennoch stellt Seul auch klar, dass das Verleihnetz ebenso ein Zuschuss-Geschäft bleibt wie der ÖPNV allgemein.

Über die erforderlichen Investitionen und die laufenden Betriebskosten am Mittelrhein wollten sich weder Christine Pletsch noch Christian Seul konkret äußeren. Der Grund: Das hängt sehr stark von den Details des Gesamtprojekts ab, das ausgeschrieben wird.

Region für die Idee gewinnen

Radfahrer am Mittelrhein
Rad-Touristen passieren den Bopparder Hamm am Mittelrhein. Ein flächendeckendes Radverleihsystem könnte auch Pendler zum Umsteigen aufs Fahrrad bewegen. Foto: Jöckel

Überzeugt von der Idee ist Christian Dübner als Tourismusreferent der IHK Koblenz: „Für den Mittelrhein ist es wichtig, dass es gelingt, ein übergreifendes Radverleihsystem zu etablieren – auch im Hinblick auf die BUGA 2029.“ Die Geschäftsführerin des Zweckverbandes Welterbe Oberes Mittelrheintal, Nadya König-Lehrmann, will dabei helfen, die Idee weiter voranzubringen: „Für die Kommunen im Welterbe Oberes Mittelrheintal wird es jetzt vor allem darum gehen, dass wir die Informationen an die politischen Entscheidungsträger weitergeben und das Vorhaben konkreter besprechen.“

Bei der abschließenden Diskussion wurde deutlich: Nicht nur ein funktionierendes Verleihsystem ist wichtig für die touristische Destination Romantischer Rhein. Auch beim Radwegenetz gibt es noch erheblichen Ausbaubedarf.

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