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Altes schick machen, Historisches neu ausarbeiten: Burggärten im Mittelrheintal

Ein­fach mehr Grün in die Burg­gär­ten, und schon strö­men die Mas­sen zur BUGA 2029? So ein­fach ist das nicht. Die Exper­ten stüt­zen sich bei ihren Emp­feh­lun­gen für die soge­nann­te Inwert­set­zung der Burg­gär­ten im Obe­ren Mit­tel­rhein­tal auf zahl­rei­che Quel­len: von der his­to­ri­schen Kar­te über die zeit­ge­nös­si­sche Zeich­nung bis hin zu laser­ge­ne­rier­ten topo­gra­phi­schen Gelän­de­ana­ly­sen. Es gilt, das Alte schick zu machen und das His­to­ri­sche neu aus­zu­ar­bei­ten. Die Quel­len­la­ge. 

Kategorien relevanter Materialien

Zunächst war im Rah­men der Unter­su­chung zu klä­ren, wel­che Mate­ria­li­en für den his­to­ri­schen Nach­weis von Burg­gär­ten in Fra­ge kom­men und ent­spre­chend recher­chiert wer­den soll­ten. In unten­ste­hen­der Auf­lis­tung sind die rele­van­ten Kate­go­ri­en von Mate­ria­li­en auf­ge­lis­tet. Die Lis­te wur­de im Zuge der Recher­che mit den betei­lig­ten Insti­tu­tio­nen dis­ku­tiert und kon­kre­ti­siert. 

Grund­sätz­lich soll­ten Quel­len über Burg­gär­ten mehr­fach bestä­tigt sein, um einen mög­lichst glaub­haf­ten Nach­weis erbrin­gen zu kön­nen. Da Burg­gär­ten selbst sehr sel­ten expli­zit auf­ge­führt sind und meist nicht Gegen­stand (bau-)wissenschaftlicher Unter­su­chun­gen waren, ist eine mehr­fa­che Bestä­ti­gung nur sel­ten mög­lich.

His­to­ri­sche Karten/Pläne: Als zeit­ge­nös­si­sche Quel­le unab­ding­bar. Kar­ten wur­den his­to­risch meist von Geometern/Landvermessern erstellt und daher ist von einer recht hohen Genau­ig­keit in der Dar­stel­lung aus­zu­ge­hen. Her­aus­ra­gen­des Bei­spiel die­ser Kate­go­rie sind die Plä­ne nach Wil­helm Dilich. 

Burg Gutenfels um 1912, Landeshauptarchiv Koblenz.
Burg Guten­fels um 1912, Lan­des­haupt­ar­chiv Koblenz.

His­to­ri­sche Dar­stel­lun­gen: Die Mehr­zahl der Dar­stel­lun­gen, ins­be­son­de­re aus der Zeit der Rhein­ro­man­tik, sind kaum als veri­ta­ble Quel­le zu ver­wen­den, da die land­schaft­li­chen Bild­be­stand­tei­le oft über­höht dar­ge­stellt wur­den. Die dar­ge­stell­ten Ele­men­te sind oft­mals stim­mig, jedoch in ihrer ört­li­chen Lage häu­fig schwie­rig ein­zu­schät­zen. 

His­to­ri­sche Rhein­pan­ora­men: Auf­schluss­rei­che Doku­men­te zur gesamt­heit­li­chen Wahr­neh­mung des Rhein­tals und sei­ner Ent­wick­lung über die ver­schie­de­nen Epo­chen. Begin­nend bereits ab 1811 sind sie zahl­reich und viel­fäl­tig vor­han­den und wur­den regel­mä­ßig neu auf­ge­legt. Auf­schluss­rei­che Aus­sa­gen zu Ein­zel­an­la­gen sind jedoch äußerst sel­ten zu tref­fen.

His­to­ri­sche Zeich­nun­gen und Skiz­zen: Hier­bei vari­iert der beleg­ba­re Infor­ma­ti­ons­ge­halt stark. Skiz­zen­bü­cher sind meist vor Ort ent­stan­den und wer­ti­ger in ihrer Aus­sa­ge.

Fotos: Sind sel­ten ver­füg­bar, jedoch von hoher Bedeu­tung, ins­be­son­de­re die frü­hen Foto­gra­fi­en ab ca. 1880. Häu­fi­ger vor­han­den sind sie ab 1920 und viel­fach ab 1950 bis Anfang 20. Jh.

His­to­ri­sche Tex­te: Han­dels­re­gis­ter, Brief­wech­sel bei Grund­er­werbs­re­ge­lun­gen, Chro­ni­ken, Bau­ak­ten, Rech­nungs­bü­cher erwäh­nen die Gar­ten­an­la­gen und die zuge­hö­ri­gen Län­de­rei­en. Die­se wur­den bis auf Aus­nah­men nicht im Detail gesi­chert, lie­fern aller­dings wert­vol­le Hin­wei­se für eine ver­tie­fen­de Recher­che. Die Ver­or­tung der dort beschrie­be­nen Burg­gär­ten ist jedoch ein­ge­schränkt zu ver­wen­den. 

Neu­zeit­li­che Unter­la­gen: Begut­ach­tung bereits vor­lie­gen­der Pla­nun­gen mit kri­ti­scher Bewer­tung. Über­nah­me von bzw. Ein­ar­bei­tung der Pla­nun­gen sind im Bericht unter dem The­ma „Zie­le der Eigen­tü­mer“ ver­merkt. 

Bau­for­schung: Auf­maß­zeich­nun­gen sind oft vor­han­den und für spä­te­re Pla­nun­gen zu Rate zu zie­hen. In der Beur­tei­lung der Frei­räu­me jedoch meist irrele­vant. 

Digi­ta­le Gelän­de­mo­del­le: Wich­ti­ges Hilfs­mit­tel zur Beur­tei­lung der noch erhal­te­nen topo­gra­fi­schen Relik­te. In vie­len Fäl­len kann durch ein noch erkenn­ba­res topo­gra­fi­sches Reli­ef auf bau­li­che Fun­da­men­te oder nicht mehr sicht­ba­re Wege­ver­bin­dun­gen geschlos­sen wer­den. 

Digi­ta­le Topo­gra­fi­sche Kar­ten: Grund­la­ge zur topo­gra­fi­schen Ver­or­tung, zum ein­ge­tra­ge­nen Wege­netz und zur ver­kehr­li­chen Erschlie­ßung. 

GIS Daten: Die Aus­wer­tung von GIS-Daten dient zur Beur­tei­lung der natur­schutz­fach­li­chen Vor­ga­ben zum Umfeld der Burg, z.B. LANIS. 

Zeit­ge­nös­si­sche Rei­se­be­rich­te: Nicht abge­fragt, nur stich­pro­ben­haft getes­tet, sind als wert­vol­le wei­ter­füh­ren­de Quel­len zu emp­feh­len.

Öffent­li­che Insti­tu­tio­nen: 

  • Gene­ral­di­rek­ti­on Kul­tu­rel­les Erbe Rhein­land-Pfalz (GDKE) 
  • Minis­te­ri­um für Wissenschaft,Weiterbildung und Kul­tur Rhein­land-Pfalz 
  • Hes­si­sches Minis­te­ri­um für Wis­sen­schaft und Kunst 
  • Hes­si­sche Ver­wal­tung für Boden­ma­nage­ment und Geo­in­for­ma­ti­on 
  • Lan­des­amt für Ver­mes­sung und Geo­ba­sis­in­for­ma­ti­on Rhein­land-Pfalz 
  • Lan­des­amt für Denk­mal­pfle­ge – Hes­sen 
  • Zweck­ver­band Welt­erbe Obe­res Mit­tel­rhein­tal 
  • Ver­wal­tung der Staat­li­chen Schlös­ser und Gär­ten Hes­sen – VSG 
  • Roman­ti­scher Rhein Tou­ris­mus GmbH 
  • Rhein­gau-Tau­nus Kul­tur und Tou­ris­mus GmbH 
  • Rhein-Nahe Tou­ris­tik 
  • Rüdes­heim Tou­rist AG 
  • Ver­tre­ter des Bur­gen­netz­wer­kes 

Archi­ve: 

  • Archiv des Euro­päi­schen Bur­gen­in­sti­tuts der Deut­schen Bur­gen­ver-eini­gung e.V. 
  • Archiv der Gene­ral­di­rek­ti­on Kul­tu­rel­les Erbe – GDKE Mainz 
  • Haupt­staats­ar­chiv Wies­ba­den 
  • Online-Archiv des Lan­des­haupt­ar­chivs Koblenz, Fotos, Kar­ten, usw. 
  • Stadt­ar­chi­ve, z.B.: Stadt Rüdes­heim, Bacha­rach, Bin­gen 
  • Pri­vat­ar­chi­ve der Eigen­tü­mer 
  • Gesprä­che mit Archi­va­ren als münd­li­che Quel­len 
  • Online-Archi­ve und Daten­ban­ken, wie Dili­bri Rhein­land Pfalz, LAGIS Hes­sen, Ebi­dat, Burg­di­rekt 
  • Gra­phi­sche Samm­lung der Muse­ums­land­schaft Hes­sen Kas­sel, Archi­tek­tur­zeich­nun­gen des 17.–20. Jh. 
  • Lite­ra­tur-Recher­che gemäß Quel­len­ver­zeich­nis 
  • Bild­ar­chiv Foto Mar­burg der Phi-lipps-Uni­ver­si­tät Mar­burg 
  • Archi­tek­tur­mu­se­um, TU-Ber­lin 
  • Uni­ver­si­täts- und Lan­des­bi­blio­thek Darm­stadt 
  • Eigen­tü­mer und Ver­wal­ter der Bur­gen (im Zusam­men­hang mit der Befra­gung der Eigentümer/Bestandsaufnahme)

Vorgehensweise bei der Recherche 

Von der Gene­ral­di­rek­ti­on Kul­tu­rel­les Erbe (GDKE) Rhein­land-Pfalz wur­den bereits zu Beginn des Pro­jekts wich­ti­ge Unter­la­gen und Quel­len­hin­wei­se aus frü­he­ren Pro­jek­ten und Unter­su­chun­gen zur Ver­fü­gung gestellt. Auf die­ser Basis konn­te die Recher­che­ar­beit inhalt­lich tie­fer und geziel­ter erfol­gen. Öffent­lich zugäng­li­che Archi­ve sowie pri­va­te Quel­len haben zahl­rei­che, bis­her unbe­kann­te Auf­schlüs­se zu den die Bur­gen umge­ben­den Frei­räu­me gelie­fert. 

Wäh­rend der Recher­che zeig­te sich, dass eine ein­fa­che Anfra­ge nach „Gär­ten“ zu kei­nen hilf­rei­chen Ergeb­nis­sen führ­te, son­dern im Ide­al­fall nach bereits erhal­te­nen oder vor­ab gesich­te­ten Hin­wei­sen nach­ge­fragt wer­den muss. Die­se Hin­wei­se wur­den ver­merkt und es wur­de ihnen ent­spre­chend nach­ge­gan­gen. Manch­mal führ­ten sie zu Schlüs­sel­per­so­nen, die wei­te­res Mate­ri­al bereit­stel­len konn­ten. Der direk­te Aus­tausch mit die­sen Schlüs­sel­per­so­nen war zeit­in­ten­siv, jedoch not­wen­dig, um an neue Ergeb­nis­se zu gelan­gen. 

Da vie­le gesich­te­te Mate­ria­li­en nur in kopier­ter Form vor­la­gen, wur­de soweit mög­lich, nach Ori­gi­na­len gesucht, um die­se kor­rekt im Quel­len­ver­zeich­nis auf­zu­neh­men. Zur ver­tie­fen­den Arbeit ist dies von hoher Bedeu­tung, da Ori­gi­nal­quel­len für einen his­to­ri­schen Nach­weis von Gär­ten unab­ding­bar sind. Die Recher­che öff­ne­te immer wie­der neue Türen zu pri­va­ten und auch öffent­li­chen Archi­ven, die auf­grund der ursprüng­li­chen Fak­ten­la­ge zunächst nicht in das Recher­che­mus­ter gefal­len wären. 

Neben den his­to­ri­schen Unter­la­gen wur­den auch aktu­el­le Ver­mes­sungs­grund­la­gen und hoch auf­ge­lös­te Ortho­pho­tos zur Ana­ly­se ver­wen­det. Das Kar­ten­ma­te­ri­al der DTK5 und DTK25 lie­fer­te inhalt­lich kei­ne wei­te­ren Erkennt­nis­se. Die­se waren bei den ent­spre­chen­den Behör­den in Rhein­land-Pfalz und Hes­sen ange­fragt und für den Bericht zur Ver­fü­gung gestellt wor­den. In der Auf­zäh­lung oben sind die öffent­li­chen Insti­tu­tio­nen, sowie die auf­ge­such­ten Archi­ve, die bei der Recher­che ein­be­zo­gen wur­den, auf­ge­führt. 

Verfügbarkeit von Materialien der einzelnen Burggärten 

Um einen ers­ten Über­blick zu erhal­ten, wur­de zunächst damit begon­nen, den ein­zel­nen Burg­gär­ten Quel­len zuzu­ord­nen. In einer his­to­risch so bedeu­ten­den und ein­ma­li­gen Kul­tur­land­schaft wie der des Obe­ren Mit­tel­rhein­tals kann davon aus­ge­gan­gen wer­den, dass es zu jeder Burg­an­la­ge (wenn auch teil­wei­se nur mar­gi­na­le) Hin­wei­se gibt. Gera­de künst­le­ri­sche Dar­stel­lun­gen des Pan­ora­mas der Rhein­land­schaft, wel­che auch die Bur­gen und ihre Frei­an­la­gen abbil­den, bie­ten teil­wei­se ohne erwei­ter­te Erläu­te­run­gen zu wenig rele­van­te Infor­ma­tio­nen, um als bedeu­ten­de Quel­le gelis­tet zu wer­den. Durch die­se selbst gesetz­te Begren­zung schränkt sich die Quel­len­la­ge für die Stu­die bereits stark ein. Im Ergeb­nis konn­te fest­ge­stellt wer­den, zu wel­chen Anla­gen mit größ­ter Wahr­schein­lich­keit kei­ne rele­van­ten Quel­len auf­ge­tan wer­den kön­nen. 

Die Tabel­le zeigt einen ers­ten Über­blick über die Bur­gen, zu denen rele­van­te his­to­ri­sche Quel­len vor­han­den sind. 

Burg­gär­tenQuel­len vor­han­den
1 Mäu­se­turm
2 Burg KloppX
3 Burg Rhein­steinX
4 Burg Rei­chen­steinX
5 Burg Soon­eckX
6 Heim­burgX
7 Sauer­burg
8 Rui­ne Fürs­ten­berg
9 Burg Stahl­bergX
10 Burg StahleckX
11 Burg Pfalz­gra­fen­stein
12 Burg Guten­felsX
13 Schön­burg(X)
14 Burg Rhein­felsX
15 Burg Rei­chen­bergX
16 Burg KatzX
17 Burg MausX
18 Burg Lie­ben­stein
19 Burg Ster­ren­berg
20 Kur­fürst­li­che Burg
21 Schloss Lie­ben­eckX
22 Burg Oster­spaiX
23 Schloss Phil­ipps­burgX
24 Marks­burgX
25 Schloss Mar­tins­burg
26 Burg LahneckX
27 Schloss Stol­zen­felsX
28 Kur­fürst­li­ches SchloßX
29 Alte Burg
30 Fes­tung Ehren­breit­stein
31 Groß­fes­tung
32 Markt­burg HE
33 Boo­sen­burg HE
34 Bröm­ser­burg HEX
35 Rui­ne Ros­sel HEX
36 Rui­ne Ehren­fels HE
37 Burg Rhein­berg HE
38 Burg Wal­deck HE
39 Rui­ne Nol­lig HE

Hindernisse und Schwierigkeiten bei der Recherche 

Die oft auf direk­ten und per­sön­li­chen Hin­wei­sen auf­bau­en­de Recher­che hat erge­ben, dass die Mate­ria­li­en in ver­schie­de­nen öffent­li­chen und pri­va­ten Archi­ven geo­gra­fisch im Mit­tel­rhein­tal ver­streut lie­gen und ihnen dem­entspre­chend jeweils nach­ge­gan­gen wer­den muss­te. Soweit mög­lich wur­de die Recher­che struk­tu­riert ange­gan­gen, sie muss­te jedoch an neue Erkennt­nis­se immer wie­der ange­passt wer­den. Da die Frei­an­la­gen und die umge­ben­de Land­schaft oft nur als Rand­the­ma der Burg­an­la­ge behan­delt wur­den, konn­te die Mehr­zahl an Hin­wei­sen nur aus gene­rel­len und all­ge­mei­ne­ren Quel­len bezo­gen wer­den, die wie­der­um nur sehr sel­ten in burg­spe­zi­fi­schen Archi­ven zu fin­den waren. Bei der Ent­wick­lung der Bur­gen und deren Frei­an­la­gen ist die Betrach­tung des Obe­ren Mit­tel­rhein­tals als Gesamt­en­sem­ble zur Beur­tei­lung unab­ding­bar. 

Aufbereitung der recherchierten Materialien 

Historische Karten und Abbildungen am Beispiel Burg Rheinfels Landtafel nach Dillich (Aufmaß 1607/08).
His­to­ri­sche Kar­ten und Abbil­dun­gen am Bei­spiel Burg Rhein­fels Land­ta­fel nach Dil­lich (Auf­maß 160708).

Um vol­len Nut­zen aus den recher­chier­ten Mate­ria­li­en zie­hen zu kön­nen, muss­ten die­se wei­ter auf­be­rei­tet wer­den. Digi­ta­le Metho­den, nach dem aktu­el­len Stand der Tech­nik, wur­den hier­für ein­ge­setzt, um wei­ter­füh­ren­de Ergeb­nis­se zu gene­rie­ren. 

Die wäh­rend der Recher­che­pha­se als wert­voll ein­ge­stuf­ten Unter­la­gen wur­den daher zur Auf­be­rei­tung aus­ge­wählt. Wert­vol­le Unter­la­gen sind Quel­len, denen eine mög­lichst rea­li­täts­na­he Abbil­dung des his­to­ri­schen Zustands zuzu­trau­en ist. Für die Zwe­cke des Rah­men­kon­zepts müs­sen die­se eben­falls einen aus­sa­ge­kräf­ti­gen Teil der Burg­gär­ten dar­stel­len. Von dem gefun­de­nen Mate­ri­al kam daher nur ein klei­ner Teil zur wei­te­ren Auf­be­rei­tung in Fra­ge. 

Zur Vor­be­rei­tung der Bestands­auf­nah­me wur­den als Pri­mär­quel­le vor­han­de­ne Plan­un­ter­la­gen her­an­ge­zo­gen, als Sekun­där­quel­len Abbil­dun­gen und Zeich­nun­gen. Luft­bil­der dien­ten als Unter­la­ge, die­se Plä­ne genau­er auf der IST-Situa­ti­on zu ver­or­ten. Die­se wur­den digi­tal über­la­gert, um den his­to­ri­schen Bestand auf die aktu­el­le Situa­ti­on zu pro­ji­zie­ren. 

Markierte Gartenanlagen: Wetzel Plan (1753).
Mar­kier­te Gar­ten­an­la­gen: Wet­zel Plan (1753).
Aktuelles Luftbild der Burg Rheinfels mit Darstellung der Gartenanlagen nach dem Wetzel-Plan.
Aktu­el­les Luft­bild der Burg Rhein­fels mit Dar­stel­lung der Gar­ten­an­la­gen nach dem Wet­zel-Plan.

Topografische Geländeanalysen

Über die Archiv­re­cher­che hin­aus wur­den digi­ta­le topo­gra­fi­sche Gelän­de­ana­ly­sen durch­ge­führt. Die Anwen­dung basiert auf digi­ta­len Punkt­wol­ken und ermög­lich­te die Gewin­nung von Erkennt­nis­sen, die durch rei­ne Archiv­re­cher­che nicht mög­lich gewe­sen wäre. Die Punkt­wol­ken wur­den am Com­pu­ter ein­ge­le­sen und zu einem Mesh-Netz trans­for­miert. Die Basis­ein­stel­lung die­ses Net­zes bil­det ein topo­gra­fi­sches Modell ab wie in der Gra­fik dar­ge­stellt. Die Ras­ter­wei­te von 1 m wird nach meh­re­ren Ver­su­chen für die­se Anwen­dung als opti­mal ange­se­hen. Model­le die­ser Grö­ßen­ord­nung blei­ben für die aktu­el­le Rech­ner­leis­tung han­tier­bar und bie­ten gleich­zei­tig schon einen aus­rei­chend hohen Detail­lie­rungs­grad. Über­wach­se­ne Wege, his­to­ri­sche Gebäu­de­plat­zie­run­gen und topo­gra­fi­sche Spu­ren kön­nen in die­sem Detail­lie­rungs­grad gefun­den wer­den.

Projektspezifisch eingefärbtes topografisches Modell am Beispiel der Burg Rheinfels.
Pro­jekt­spe­zi­fisch ein­ge­färb­tes topo­gra­fi­sches Modell am Bei­spiel der Burg Rhein­fels.
Einfärbung des Geländes im Verlauf mit den Schlüs-selindikatoren 6°/ 20° / 60 ° Gefälleneigung. Bis 6 ° Gefälle ist grundsätzlich eine barrierefrei Erschließung möglich. Bis 20 ° eine noch sinnvolle Erschließung für den geübten Wanderer und ab 60 ° ist eine Erschlie-ßung nicht mehr zu empfehlen.
Ein­fär­bung des Gelän­des im Ver­lauf mit den Schlüs­sel­in­di­ka­to­ren 6°/20°/60° Gefäl­le­nei­gung. Bis 6° Gefäl­le ist grund­sätz­lich eine bar­rie­re­frei Erschlie­ßung mög­lich. Bis 20° eine noch sinn­vol­le Erschlie­ßung für den geüb­ten Wan­de­rer und ab 60° ist eine Erschlie­ßung nicht mehr zu emp­feh­len.

Die­se Ana­ly­sen konn­ten für alle Bur­gen im rhein­land­pfäl­zi­schen Teil des Obe­ren Mit­tel­rhein­tals erstellt wer­den. Auf­grund der zum Zeit­punkt der Fer­tig­stel­lung des Berichts feh­len­den Punkt­wol­ken der hes­si­schen Bur­gen, konn­ten die­se noch nicht aus­ge­wer­tet wer­den.

Dies wird im Rah­men wei­ter­füh­ren­der Arbeit emp­foh­len. Die Ergeb­nis­se die­ser Ana­ly­sen sind in den Bur­gen­por­traits dar­ge­stellt und in den Über­sichts­ta­bel­len des Rah­men­kon­zepts ein­ge­ar­bei­tet. Eine im Rah­men die­ser Arbeit nicht durch­ge­führ­te Ana­ly­se ist die des Geo- radars (sie­he rechts).

Hier­bei wer­den zusätz­lich zum Ober­flä­chen­scan auch tie­fe­re Boden­schich­ten unter­sucht und unter­schied­li­che Zustän­de der Ver­dich­tung kön­nen abge­le­sen wer­den. Im unten gezeig­ten Bei­spiel wur­de die his­to­ri­sche Park­an­la­ge ein­drück­lich sicht­bar gemacht. Die­se Unter­su­chung ist für den Ein­zel­fall zu prü­fen.

Georadar der Landgräflichen Gartenlandschaft Bad Homburg, Kleiner Tannenwald
Geo­ra­dar der Land­gräf­li­chen Gar­ten­land­schaft Bad Hom­burg, Klei­ner Tan­nen­wald.
Historischer Plan am Beispiel der Landgräflichen Gartenlandschaft Bad Homburg, Kleiner Tannenwald
His­to­ri­scher Plan am Bei­spiel der Land­gräf­li­chen Gar­ten­land­schaft Bad Hom­burg, Klei­ner Tan­nen­wald

Einschätzung der Materialien für die Erfassung und Analyse der Burggärten

Zu Beginn des Pro­jekts waren Umfang und Qua­li­tät der zu erwar­ten­den Unter­la­gen noch sehr unklar. Auch in Exper­ten­krei­sen wur­de ange­zwei­felt, dass bedeu­ten­de Unter­la­gen zu fin­den sei­en, oder neue Erkennt­nis­se gewon­nen wer­den könn­ten. Eine Erklä­rung für die­se Annah­me kann sein, dass die Bur­gen bis­her kaum aus frei­raum­pla­ne­ri­scher Sicht betrach­tet wur­den. Die bedeu­tends­te Aus­nah­me stel­len die his­to­risch beleg­ten Frei­an­la­gen des Schlos­ses Stol­zen­fels dar, die durch den nam­haf­ten Land-schafts­ar­chi­tek­ten Peter-Joseph Len­né gestal­tet wur­den. Im Rah­men der BUGA 2011 Koblenz wur­den die Frei­an­la­gen auf Basis des eigens dafür erstell­ten Park­pfle­ge­werks saniert.

Die Unter­su­chun­gen haben erge­ben, dass das Ein­be­zie­hen und die Gestal­tung der Frei­an­la­gen bis hin zur umge­ben­den Land­schaft im Bur­gen­bau, ins­be­son­de­re aber bei deren Wie­der­auf­bau zu Zei­ten der Rhein­ro­man­tik eine bedeu­ten­de und tra­gen­de Rol­le gespielt haben. Ver­schie­dens­te Quel­len bele­gen dies und kön­nen zur ver­tie­fen­den Ana­ly­se und Pla­nung her­an­ge­zo­gen wer­den. Dabei spielt die Bedeu­tung der jewei­li­gen Burg bereits zu Ihrer Ent­ste­hungs­zeit eine wich­ti­ge Rol­le und hat gro­ße Aus­wir­kung dar­auf, ob Frei­an­la­gen doku­men­tiert wur­den.

Regel­mä­ßi­ger doku­men­tiert sind Flä­chen für die Jagd, forst­li­che und land­wirt­schaft­li­che Flä­chen, ins­be­son­de­re auch zur Eigen­ver­sor­gung sowie Erschlie­ßungs­flä­chen.

Flä­chen, die vor­ran­gig der Frei­zeit­ge­stal­tung die­nen, sind erst ab dem Wie­der­auf­bau doku­men­tiert, vor allem, wenn Bur­gen durch bür­ger­li­che oder Indus­tri­el­len­fa­mi­li­en als Fami­li­en­wohn­sitz wie­der­auf­ge­baut wur­den.

Über­grei­fend lässt sich sagen, dass es bei den Unter­la­gen zu den ein­zel­nen Bur­gen gro­ße Dis­kre­pan­zen bezüg­lich ihrer Qua­li­tät und ihrer Quan­ti­tät gibt.

Fazit und Empfehlungen

Um eine erfolg­rei­che Recher­che zu ermög­li­chen, war ein inten­si­ver Aus­tausch mit den Bur­gei­gen­tü­mern, Ver­wal­tern und Akteu­ren erfor­der­lich. Da die Betei­lig­ten selbst meist am The­ma inter­es­siert sind oder schon mit Inter­es­sier­ten in Kon­takt ste­hen, konn­ten hier vie­le Infor­ma­tio­nen gewon­nen wer­den. Die in den Haupt­ar­chi­ven zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mate­ria­li­en waren ein wert­vol­ler Fun­dus. Die häu­fig nicht der jewei­li­gen Burg spe­zi­fisch zuge­ord­ne­ten Infor­ma­tio­nen erga­ben oft neue Erkennt­nis­se zu den Frei­an­la­gen, zum Bei­spiel zu der Auf­fin­dung von his­to­ri­schen Zuwe­gun­gen, Gar­ten­an­la­gen oder Bau­wer­ken.

Die oben vor­ge­stell­ten Ana­ly­se­me­tho­den nach moderns­ter Tech­nik sind bei ver­tie­fen­der Unter­su­chung der Mate­ria­li­en wei­ter zu prä­zi­sie­ren. Die stän­dig fort­schrei­ten­de Ent­wick­lung sol­cher Tech­ni­ken, ins­be­son­de­re durch Laser­scan­ning, Geo­ra­dar und auch Orthofo­tos, ermög­li­chen die­se Metho­den in Zukunft auch wei­ter zu detail­lie­ren.

Die hier vor­lie­gen­de Recher­che ist bereits sehr detail­liert, kann den­noch nicht als abschlie­ßend ange­se­hen wer­den. Die wei­te­re Recher­che soll­te jedoch erst im Zusam­men­hang mit der Erstel­lung von Ent­wick­lungs­kon­zep­ten für die ein­zel­nen Burg­an­la­gen erfol­gen. Die im Bericht vor­ge­stell­ten Infor­ma­tio­nen geben deut­lich Auf­schluss dar­über, bei wel­chen Anla­gen eine grund­sätz­li­che bzw. eine ver­tie­fen­de Recher­che emp­foh­len wird.

  • Unse­re Serie wid­met sich den Burg­gär­ten im Welt­erbe Obe­res Mit­tel­rhein­tal auf Basis der 2019 vom rhein­­land-pfäl­zi­­schen Innen­mi­nis­te­ri­um vor­ge­stell­ten Stu­die (PDF). Zuguns­ten der Les­bar­keit im Web wur­de die­se Dar­stel­lung gegen­über dem PDF gekürzt. Bis­her erschie­nen:
  1. Die Burg­gär­ten im Welt­erbe­tal
  2. Was sind über­haupt Burg­gär­ten?
  3. Quel­len und Mate­ria­li­en
  4. Die Burg­an­la­gen im Über­blick
  5. Die bau­li­che Ent­wick­lung der Bur­gen
  6. Wo es Burg­gär­ten gibt
  7. Gar­ten­his­to­ri­sche Epo­chen
  8. Aktu­el­le Situa­ti­on der Burg­gär­ten
  9. Die Beson­der­hei­ten
  10. Was Ent­wick­lungs­zie­le sein könn­ten
  11. Bur­gen und Burg­gär­ten als „Per­len­ket­te“
  12. Bei­spie­le über­ar­bei­te­ter Gär­ten aus aller Welt

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